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 Unter dem Mistelzweig

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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   11.08.11 12:32

Daniel lächelte, natürlich würde sein Angebot dann noch stehen. Vielleicht hoffte er beinahe, dass sie nicht ging. Unterbewusst wollte er es wirklich nicht, ihre Anwesenheit tat ihm gut und ließ ihn weniger über Chloé nachdenken - teilweise vergaß er die ältere der beiden Frauen manchmal. Wieso sollte er auch an sie denken? Die Lehrerin hatte ihn versetzt - an Weihnachten!
Als Dan Noras Angebot hörte lächelte er. "Ja, wäre wirklich nett, also nur, wenn es keine Schwierigkeiten macht. Ich will ja nicht stören oder so, immerhin kenn ich ja keinen, also außer dich natürlich", sagte er und musste am Ende wirklich noch etwas breiter in ihre Richtung lächeln. Es war wirklich eine schöne Idee, damit würde der junge Mann nicht alleine an Weihnachten sein und konnte dennoch etwas mit Nora unternehmen - die er kannte - aber auch neue Leute kennen lernen, die ihn nicht nach Chloé fragen würden - hoffentlich. Wie es das Schicksal gewollt hatte, verbrachte er nun den Heiligabend zumindest nicht alleine mit der Blonden, sondern mit Nora.

Durch sein Hemd spürte Daniel noch immer die Wärme von Noras Hand auf seinem Arm. Als sie tröstend schließlich über den Arm streichelte sah er sie dankbar mit einem sanften Lächeln an. Er war wirklich dankbar, er hatte auch allen Grund dazu - immerhin war sie heute für ihn da und morgen somit wahrscheinlich auch. Dabei kannten sie einander kaum ...
Dann wand er sich wieder von der jungen Frau ab, um sein Glas Glühwein auszutrinken. Kurz schloss er die Augen. Nun war ihm wirklich warm. Vielleicht hätte er nicht so viel auf einmal trinken sollen ... Doch das war ja vom Prinzip her egal. Zwar war der Glühwein sehr warm, aber hatte keinen wirklich hohen Alkoholgehalt - Gott sei Dank, denn Daniel war nicht wirklich ein großer Trinker und vertrug daher auch eher weniger als es vielleicht andere seiner Statur tun würden.

Dan nahm sich noch ein Plätzchen, kam sich dabei allerdings etwas verfressen vor, da Nora bisher noch keines gegessen hatte. "Magst du auch eins?" bot er ihr schließlich an, nachdem er sein Plätzchen herunter geschluckt hatte. Wäre ja dumm, wenn sie nur keines essen würde, weil er ihr keins anbot, aber zum Essen stand der Teller mit dem Gebäck auf dem Tisch. "Die hab ich zusammen mit meiner Schwester gebacken", hing er noch lächelnd dran.
Bei ihrer Bemerkung musste er wirklich leise lachen. "Dann bleibt das Erzählen wohl an mir hängen ...? Ich bin eher der Zuhörer-Typ, ich hab früher wenn überhaupt meinen Geschwistern nur vorgelesen", erklärte er und strich sich durch die dunklen Haare: "Außerdem wüsste ich gar nicht, was ich erzählen sollte. Mein Leben ist wirklich nicht besonders spannend. Ich habe eine total normale Familie, das heißt Vater, Mutter, zwei jüngere Geschwister. Mein Job ist nun auch nicht wirklich spannend, da ich auf der Janus Thickey-Station arbeite und nicht für irgendwelche Werwolf-Bisse zuständig bin. Ich geh nicht oft feiern, da mein Job ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt ... Ja. Das war auch schon mein total langweiliges durchschnittliches Leben - und ich glaube, dass ich mehr gar nicht erzählen kann." Ja, er erzählte selten etwas, wie auch, bei seinem Leben? Und über Chloé wollte er nicht reden ... nicht vor Nora. "Nun musst du aber", fordert der junge Heiler sie freundlich auf.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   11.08.11 20:16

„Quatsch, das geht bestimmt in Ordnung. Und mit den anderen wirst du auch schnell zurechtkommen, sie sind alle ganz nett“, erwiderte Nora lächelnd. Nein, Josh und die anderen würden sicherlich nichts dagegen haben. Warum auch?
Die junge Frau freute sich schon insgeheim darauf, auch den morgigen Tag zumindest zu einem gewissen Teil mit Dan zu verbringen. Ebenso erfüllte es sie mit Freude, ihm damit eine kleine Freude bereiten zu können und ihn damit auch vor einem einsamen, tristen Weihnachtsfest zu bewahren. Denn das hatte er wahrlich nicht verdient.
Während der darauffolgenden Stille gönnte sich Nora ebenfalls einen weiteren Schluck von dem Glühwein, der wirklich hervorragend schmeckte und zudem noch ihre Glieder mit einer angenehmen Wärme erfüllte. Zwar war es in dem Raum richtig wohlig warm, doch erreichte sie jene Wärme natürlich nicht im Inneren, wie etwa die des Glühweins.
Nora spürte, wie ihre Wangen sich von dem Getränk wärmten und vermutlich auch röteten und war insgeheim ein klein wenig dankbar dafür. Dann würde ihr ständiges Erröten vielleicht nicht mehr so sehr auffallen.

Schließlich holte Dans Stimme sie wieder in die gegenwärtige Situation zurück.
„Gerne“, antwortete Nora auf seine Frage, um nicht unhöflich zu wirken. Irgendwie war ihr nicht so recht nach essen zumute, denn ihr Bauch war bereits gefüllt... mit Unmengen an Schmetterlingen, die wie wild herumflatterten und die junge Frau mit einem angenehmen Kribbeln erfüllten.
Nora seufzte so leise, dass sie selbst es kaum hörte.
Kaum war sie in Dans Nähe, schien ihr ganzer Körper auf Höchstleistung zu arbeiten. Alles kribbelte und prickelte – besonders die Stellen, an denen Dan – und sei es noch so flüchtig – sie berührte, ihr Herz schlug wie verrückt, als wolle es ihm sogleich entgegenspringen, sie errötete ständig, ihr war warm, manchmal sogar fast heiß...
Nora musste es sich eingestehen... und mochte es auch noch so unvernünftig, so dumm sein: Sie war bis über beide Ohren verliebt. In Daniel.
Die Erkenntnis erleichterte sie ebenso, wie sie sie niederschlug. Zum einen wusste sich Nora nun zu gut ihr Verhalten zu erklären... und zum anderen wusste sie, wie dumm das Ganze war. Dan hatte Chloé. Dazwischen wollte sie sich auf keinen Fall drängen, Verliebtheit hin oder her. Also würden ihre Gefühle auf Dauer zwangsweise enttäuscht werden.
Plötzlich wurde sie sich wieder der Hand auf Dans Arm gewahr und zog sie möglichst unauffällig wieder zurück.

Um sich von ihren Gedanken abzulenken, griff sich Nora einen Keks, biss hinein und spürte sogleich, wie der süßliche Geschmack den bitteren in ihrem Mund und tatsächlich auch die bitteren Gedanken in ihrem Kopf vertrieb.
„Und ihr zwei seid euch sicher, dass ihr keine Bäckerei eröffnen wollt? Die Plätzchen sind wirklich köstlich“, lobte Nora das Gebäck lächelnd und war ehrlich davon begeistert. Schließlich schob sie sich noch den Rest des Kekses in den Mund.

Als Dan von sich zu erzählen begann, lauschte Nora ihm gespannt. Sein Leben war alles andere als langweilig. Es klang ganz nach dem Leben eines ehrlichen, liebenswürdigen Menschen, der wohl so einiges für seine Freunde aufs Spiel setzen würde.
Und solche Menschen traf man heutzutage leider nur noch viel zu selten an – womit er und sein Leben wieder auf eine ganz eigene Weise außergewöhnlich waren.

Seine letzten Worte rissen sie dann wieder aus ihren Gedanken und Nora verzog leicht das Gesicht, lächelte dann aber.
„Muss ich wirklich?“ Sein Gesichtsausdruck erstickte jeglichen Widerstand im Keim, also seufzte die junge Frau leise, ehe sie lächelnd meinte: „Wenn du einschläfst, sage nicht, dass ich dich vorher nicht gewarnt habe, ja?“
Dann begann Nora schließlich zu erzählen: „Ich hatte eine ganz normale, liebenswürdige Familie. Eine liebe, fürsorgliche Mutter, einen wissensbegierigen, aufgeweckten Vater und den besten großen Bruder, den man sich wohl vorstellen kann. Wir haben fast alles zusammengemacht und haben eine wundervolle Schulzeit verbracht, in der ich echte Freunde gefunden und mich verliebt habe. Es war wirklich wundervoll, bis mein Vater durch einen... Unfall ums Leben kam. Josh, mein Bruder, war danach wie ausgewechselt. Es war eine schwierige Zeit für uns alle. Josh schien sich nie wirklich davon zu erholen, denn er sprach kaum noch mit uns und hielt irgendwann gar keinen Kontakt mehr. Ich trennte mich von meiner Liebe und begann ein Studium im Bereich der Magischen Medizin, die Janus Thickey Station lernte ich dabei auch oberflächlich kennen. Doch nach einiger Zeit machte ich mir immer mehr Sorgen um meinen Bruder, ich wusste ja nichts mehr von ihm – wie es ihm ging, was er machte. Irgendwann war es so schlimm, dass ich das Studium abgebrochen habe. Ich habe mich auf die Suche nach ihm gemacht, was mich nach Hogsmeade brachte, wo ich ihn schließlich fand. Seitdem bin ich hier.“ Nora lächelte Dan schwach an und fragte sich, warum sie ihm das alles eigentlich erzählt hatte. Es war nicht nur langweilig, sondern vermieste meist auch jegliche Stimmung. Doch irgendetwas in ihr hatte sie dazu gedrängt, sich ihm anzuvertrauen... und abermals erschien es Nora, als würde sie Dan seit Ewigkeiten kennen.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   11.08.11 21:30

Daniel spührte etwas irritiet, dass Nora seinen Arm von dem Gewicht ihrer Hand entlastete. Hatte er irgendetwas falsch gemacht? Aber wahrscheinlich tat sie es ohne große Absicht, wieso sollte sie auch? Stattdessen freute er sich wirklich über dss Kompliment. "Cassandra liebt Backen und Kochen. Sie macht immer alles und ich bin der ungeschickte Assistent ohne den wahrscheinlich alles schneller gehen würde ... Aber es freut mich, dass sie dir schmecken", witzelte er mit einem warmen Lächeln. Darauf hatte er insgeheim gesetzt, immerhin waren in ihrem Weihnachtgeschenk-Päckchen auch welche von den kleinen Köstlichkeiten versteckt.
Dan hatte eigentlich immer gedacht sein kleine Schwester würde in Richtung Gastronomie gehen, aber sie hatte sich dann doch dazu entschieden Krankenschwester im St. Mungo zu werden - ihm war gar nicht bewusst gewesen, dass er auch in dieserlei Hinsicht einen so großen Einfluss auf sie hatte ... Vielleicht war es auch besser so, das war ein sicherer Job, aber dennoch, er fragte sich oft, ob es wirklich das Beste für sie war und ob sie die Heil-Zauberei wirklich dem Backen vorzog. Vielleicht sollte er noch einmal mit ihr darüber reden ...

Als Nora ihre Stimme erhob und begann von ihrem Leben zu erzählen fühlte sich sein eigenes wirklich uninteressant an. Als sie endete tat sie ihm wirklich leid. "Das tut mir wirklich leid das mit deinem Vater, aber auch mit deinem Ex-Freund - also aufrichtig. Aber es freut mich auch, dass du deinen Bruder endlich wieder gefunden hast", gestand er und diesmal war er es, der die junge Frau tröstend ansah. Sanft legte er eine Hand auf ihre Schulter. Er sprach nicht wirklich über so etwas, sondern beschränkte sich auf Taten. Sein Blick war direkt auf ihr Augen gerichtet. Es war ein komisches Gefühl nun derjenige zu sein, der tröstete, doch er tat dies an sich oft - für seine Schwester.
"Ich würde sterben wenn ich meine kleine Schwester verlieren würde - sie ist um ehrlich zu sein nur zwei Jahre jünger als du ...", zum Ende hin wurde seine Stimme leiser. Irgendwie seltsam.
Er nahm Nora als viel reifer und weiter war. Leich verwirrt hob er seinen Zauberstab von dem kleinen Tisch auf und zauberte sein und auch ihr Glas wieder voll. Er legte das Holz wieder weg und trank mit einem goßen Schluck das halbe Glas leer. Es brannte etwa in seinem Hals. Wieso trank er so viel und schnell Alkohol? Das half bei der Verdrängung von dem Kuss leider gar nicht! Im Gegenteil! Es rief ihn nur wieder ins Gedächtnis zurück und ließ ihn leicht erröten als er zu Nora sah.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   12.08.11 20:26

„Solche Assistenten sind aber auch wichtig, sehr wichtig sogar. Sie sorgen für die nötige gute Laune“, erwiderte Nora auf Dans Woche, ehe sie erheitert lachte. Sie liebte es zu kochen, auch alleine, aber zu zweit machte es selbstverständlich gleich viel mehr Spaß. Man hatte jemanden, mit dem man reden und necken konnte – und vor allen Dingen jemanden, der einem vor der Verzweiflung bewahrte, wenn die Gerichte nicht so werden wollten wie sie sollten.

Etwas überrascht vernahm Nora Dans Worte und spürte kurz darauf seine Hand auf ihrer Schulter. Diesmal war er derjenige, der Trost spendete. Die junge Frau kam nicht umhin, amüsiert zu lächeln. Es war wirklich ein verrückter, aber dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – ein wunderschöner Abend, den sie so schnell sicherlich nicht mehr vergessen würde.
„Das braucht dir nicht leid zu tun. Man lernt damit umzugehen“, sprach Nora und zuckte mit den Achseln. Natürlich war es nicht immer so einfach gewesen wie jetzt... eigentlich war es jetzt immer noch nicht wirklich einfach. Doch das Leben ging weiter und jenes ständige Voranschreiten lehrte einem schließlich, Dinge zu verarbeiten und irgendwann als vergangen zu betrachten. Vergessen würde sie jene Ereignisse nie können, das wollte sie auch nicht, doch sie hatte den nötigen Abstand dazu gewonnen. So behielt Nora ihren Vater stets im Herzen, was ihr Trost war und zudem half, seinen Tod zu akzeptieren.
„Und ja, meinen Bruder zu finden war mit Abstand das Beste, das in der vergangenen Zeit geschehen ist. Bis jetzt.“ Irritiert sah Nora auf. Was hatte sie da gerade gesagt?! Hoffentlich würde ihm diese mehr als nur doofe Anspielung entgehen – oder vielleicht bemerkte er diese als solche ja nicht einmal.
Doch, er tat es und würde es verstehen. Da war sich die junge Frau sicher. Todsicher. Das Leben ersparte ihr nun einmal keine Peinlichkeit und sei sie noch so klein. Das wusste Nora aus Erfahrung... und irgendwie amüsierte es sie. Denn mit jenen Peinlichkeiten gingen meist die schönsten Momente ihres Lebens einher.

Wieder erinnerte sich Nora an die Hand, die auf ihrer Schulter ruhte und dort eine angenehm kribbelnde Wärme verströmte und ihr Herz schneller schlagen ließ.

Schließlich riss Dans Stimme sie wieder zurück in die Gegenwart.
„Das kann ich nur allzu gut verstehen. Geht mir mit meinem älteren Bruder ja auch nicht anders“, meinte Nora lächelnd und musste schließlich grinsen, als er das mit seiner Schwester erwähnte.
„Oh je, dann hast du gleich zwei Kindsköpfe an der Backe... oder zumindest einen, der dir dich gerade um deine Kekse und Glühwein bringt.“ Nora grinste ihn an.

Wie um ihren Worten gerecht zu werden, nippte die junge Frau ein weiteres Mal an dem frisch gefüllten Glas Glühwein und aß einen weiteren Keks, der wirklich himmlisch schmeckte.
Mit Liebe gebacken, musste Nora unwillkürlich denken und lächelte.
Als ihr Blick dann auf Dan fiel, machte sich Verwunderung in der jungen Frau breit. Er errötete. Hatte sie etwas Falsches gesagt oder getan?
„Woran denkst du?“, fragte Nora schließlich leise.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   12.08.11 20:54

Daniel musste in sich hinein grinsen. Was war das denn? Das hätte er Nora wirklich nicht zugetraut - oder doch? Er sah zu ihr hoch und musste noch breiter grinsen. Sie schien sich ebenfalls bewusst zu sein, was sie da gerade gesagt hatte. War das nur Zufall? Oder wurde die Bemerkung mit Hintergedanken gesagt?
"Was nicht ist, das kann ja sicherlich noch werden", ging Dan kurz darauf ein und zwinkerte ihr zu. Es war nur ein kleines Spiel - nichts ernstes, zumindest NOCH nicht. Hatte er das wirklich gerade gedacht? Kurz warf er einen Blick auf das Glühweinglas, hatte er bereits so viel getrunken? Was war denn in seinem Kopf da vor sich gegangen? Das sollte, das durfte er nicht denken! Absurd. Er strich sich durch die dunklen Haare, ohne sich auch nur einen Hauch seiner Unsicherheit oder seiner Gedanken ansehen zu lassen. Die junge Frau wollte er nicht damit belasten oder verunsichern.

Als sie beiden dann wieder auf die Geschwister zu sprechen kamen, musste der junge Mann lachen. "Naja, um ehrlich zu sein zähl ich dich nicht wirklich als KINDskopf mit. Weil ...", begann er dann doch noch zu erklären, aber brach dann ab - einer Erklärung brauchte das nicht. Was sollte er ihr auch erklären? Dass sie es wahrscheinlich doch ganz gut verstand ihn zu 'packen'. In der Tat konnte Nora ihn wirklich zum Herzklopfen bringen - der Kuss. Er war wirklich auf einen richtiges Kuss eingegangen, das hätte er sicherlich nicht gemacht, wenn er sie als Kind aufgefasst hätte.

Nachdem Dan das halbe Glas geleert hatte und leicht errötet war sah er zu ihr hoch. Ihre Stimme hatte ihn aus den Gedanken gerissen, aus den Gedanken, die er besser nicht denken sollte. War er wirklich errötet? Das musste er, sonst hätte sie es nicht gemerkt, ihn nicht darauf angesprochen. Er könnte natürlich auch alles einfach auf den Alkohol schieben, aber im Lügen war er wirklich nicht gut. Eher schlecht.
Als Kind war er immer sofort enttarnt worden, seine kleinen Geschwister waren allerdings - leider - besser darin. Sodass er oft genug manchmal den ganzen Ärger abbekommen hatte, natürlich ohne, dass seine Geschwister ihn hatten verpetzten wollten, sie hatten nicht an die Konsequenzen gedacht ... da waren sie ja noch klein gewesen.

Daniel nahm noch einen Schluck, kurz hatte er vergessen, dass dieser sein Herz nicht beruhigen würde ... Nun schlug es noch heftiger als zuvor und wahrscheinlich lief er in diesem Moment noch weiter rot an. "Ach an gar nichts", hauchte er leise und sah auf sein Glas. Dreiviertel war nun weg, also insgesamt eins und noch ein dreiviertel Gläser Glühwein hatte er nun getrunken - ach du liebe Güte! Viel zu viel für ihn - eindeutig. Denn sonst hätte der Heiler sie wohl kaum so unglaublich ertappt angeguckt.
Er konnte Nora ja nicht sagen, dass er an ihren Kuss gedacht hatte und, dass er sie eigentlich schon sehr ... Er blinzelte. Es war nie gut gewesen einer Frau in die Augen zu sehen, denn man verlor sich irgendwie automatisch. Daniel zumindest war es immer so gegangen, aber das kam auch daher, dass er nicht jeder Frau auf diese Art und Weise in die Augen sah ...
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 0:37

Nora konnte seine Worte lediglich mit einem Lächeln quittieren, denn etwas darauf zu erwidern getraute sie sich nicht.
Bevor sie erneut etwas Falsches sagte, hielt sie lieber den Mund. Denn sie wollte die Situation nicht noch schlimmer machen als ohnehin schon. Abermals fühlte sie dabei, wie ihr die Wärme ins Gesicht stieg und sich unter jene des Glühweins mischte. Danks diesem dürfte Dan die Röte kaum auffallen, da ihre Wangen ja bereits von dem Getränk an Farbe gewonnen hatten.

Als sie schließlich zurück auf die Geschwistersache zu sprechen kamen, fühlte Nora förmlich die Erleichterung, die sie durchströmte und dabei die unbewusst angespannten Muskeln lockerte und schließlich löste. Sie war wirklich ein Nervenbündel in seiner Nähe und irgendwie schien es mit jedem verstreichenden Moment noch schlimmer zu werden.
„Weil?“, hakte Nora neckend nach. Sie ahnte in etwa, was er aussprechen würde – nicht wenige vor ihm hatten dies bereits getan. Dennoch wollte sich die junge Frau nicht das Vergnügen nehmen lassen, ihn im Spaß ein wenig zu ärgern.

Auf ihre Frage hin, was er dachte, hob Dan den Kopf und bedachte sie mit einem Blick, der geradezu niedlich war. Der Blick erinnerte sie ein wenig an Josh, als sie ihn dabei erwischt hatte, wie er die ganzen Süßigkeiten aufgemampft hatte.
Ertappt.
Doch wobei hatte sie ihn ertappt? Oder bildete sie sich das etwa nur ein und er war schlichtweg ein wenig von ihrer Frage überrumpelt worden?

Seine Antwort befriedigte ihre Neugierde natürlich keineswegs, doch Nora ließ es dabei bewenden.
Es dauerte auch nicht lange, da zog etwas gänzlich Anderes ihre Aufmerksamkeit auf sich.
Wieder einmal hatte die junge Frau einen nahezu verstohlenen Blick auf Dans ebenmäßiges Gesicht geworfen und war dabei an seinen Augen hängen geblieben, die auf sie gerichtet waren.
Das erfrischende Blau seiner Augen drängte sich in ihr Blickfeld, bis es dieses vollkommen auszufüllen schien. Während Nora ihm in die Augen sah, erschien es ihr, als blickte sie in die Tiefe eines Ozeans, der sie in seinen Wogen nur allzu gerne begrüßte und weit, weit fort trug. Weit fort von jeglicher Realität, die der jungen Frau erst dann wieder ins Gedächtnis gerufen wurde, als sie sich unbewusst etwas nach vorne gelehnt und dabei Dans warmen Atem auf ihrem Gesicht gespürt hatte.
Nein, eine ausgesprochen dumme und egoistische Tat reichte für diesen Abend.

So, als hätte sich ihr Blick an Dan verbrannt, zuckte er hastig zu etwas anderem. Etwas Weichem. Etwas Einladendem. Etwas, das Nora an ihre Kindertage erinnerte und ein nicht zu unterdrückendes Verlangen in ihr weckte.
Ein Kissen.
Wie fortgefegt waren jegliche Bedenken und Beherrschung, als sich Nora das Kissen griff und es sanft, aber doch bestimmt auf Daniel niedersausen ließ. Ohne es verhindern zu können, entrang sich ihr dabei ein helles Lachen.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 12:57

Bei Noras Nachfrage schwieg Dan, da ihm sowieso bewusst war, dass sie keine wirkliche Antwort erwartete. Dennoch schien sie ihn gerne damit zu ärgern, was ihm ein leichtes Lächeln abrang. Irgendwie hatte sie eine Art, die jemandem lächeln ließ und sogar die Sorgen vergessn lassen konnte - dies Eigenschaft hatte ihm sogar sozusagen den heutigen Abend gerettet, sonst hätte er diesen vermutlich alleine und ziemlich deprimiert verbracht, doch so saß er mit ihr zusammen gemütlich auf seinem Sofa. Ohne ein Wort zusagen überspielte er die Situation mit einem seiner warmen Lächeln.

Als sie schließlich seinen Blick erwiderte musste der junge Mann zugeben, dass Nora doch wirklich schöne Augen hatte, sie waren braun, aber gleichzeitig besaß ihre Iris ein paar grüne Sprengel, ein schönes Farbzusammenspiel, welches ihn wirklich faszinierte. Etwas irritiert, doch keinesfalls verärgert, stellte er fest, dass ihr Gesicht sich seinem leicht genähert hatte. Daniel konnte ihren leicht unregelmäßigen Atem auf seinem Gesicht spühren, oder bildete er sich dies etwa nur ein? Nein, ganz sicher nicht. Weshalb sie dies, vielleicht auch unterbewusst, tat wusste er nicht. Doch ihm selbst ging es auch nicht viel anders - vielleicht wäre es besser wenn es ihm nicht so gegangen wäre ...

Aber noch während er sie betrachete sah er zu wie die junge Frau sich beinahe versteckend von ihm zurückzog. Er selbst riss sich ebenfalls von dem Anblick los und sah auf die Plätzchen. Nervös strich er sich abermals durch die dunklen Haare - was tat man auch sonst in solch einer Situation?
Nora hingegen schien eine vermeintlich bessere Idee zu haben. Verblüfft spühre der Heiler wie ein Kissen auf ihn niedersauste, zwar tat es nicht weh, aber dennoch nahm es mehr als deutlich war. Aus seinen eigenen schuldigen Gedanken gerissen sah er wieder zu ihr. So sehr er auch Albereien mochte, in diesem
Moment war er etwas genervt davon. Wie alt war sie denn? Konnte sie nicht einmal erwachsen benehmen? Doch er sagte nichts. Immerhin wollte Dan sie nicht erletzen, da sie sich ja sonst nicht unreif benahm. Stattdessen meldete sich ein leichtes Herzklopfen abermals als er das Kissen in beide Hände nahm. Ohne diesem auch nur eines Blickes zu würdigen sah er zu Nora.

Irgendwie war der Moment perfekt gewesen, wenn sie nicht mit dem Kissen angefangen hätte. Seine Mutter hatte es ihm damals zum Einzug geschenkt. Daniel hingegen nahm dieses nun und legte es auf seinen ursprünglichen Platz zurück, welcher zwischen Nora und der Armlehne, sodass er ein Stück weit über sie beugen musste.
Dann setzte er sich wieder richtig hin, jedoch sah er nicht zu ihr, sondern auf auf seine Wanduhr, welche neben dem Karmin hing. Es war kurz vor zwölf. In wenigen Augenblicken wäre es Weihnachten. Dann wanderte sein Blick wieder zu der jungen Frau. Dann schlug dir Uhr zwölf. Daniel lächelte sie sanft an und hauchte: "Frohe Weihnachten."
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 13:40

Als Dan das Kissen in die Hände nahm und sein Gesicht dadurch wieder zum Vorschein kam, spiegelten sich verschiedene Gefühle darauf ab. Und keines davon behagte Nora sonderlich. Das wohl dominierendste Gefühl auf seinem Gesicht war Tadel.
Dieser Anblick genügte, um jenen Anflug von kindlicher Freude ebenso plötzlich zu vertreiben wie er über sie gekommen war. An die Stelle jener Freude kehrten geradezu schmerzlich ihr Gewissen und ihre Beherrschung wieder zurück.
Was hatte sie da nur wieder angerichtet? Es schickte sich ganz und gar nicht, mit dem Hab und Gut anderer so umzugehen – vor allem dann nicht, wenn sie die betreffende Person so schlecht kannte. Bei engen Freunden war es etwas anderes, da man wusste, wie sie darauf reagierten, doch bei Dan... vor allem bei Dan!
Davon abgesehen hatte sie außerdem ihrer eigenen Betitelung als Kindskopf soeben wohl alle Ehre gemacht.
„Entschuldige“, murmelte die junge Frau leise, ehe sie schweigend beobachtete, wie er mit penibler Sorgfältigkeit das Kissen zurück an seine Stelle legte und es dabei etwas zurecht rückte.
Diese Geste erinnerte Nora unwillkürlich an ihre Großeltern, die ebenfalls für alles und auch fast für jeden eine gewisse Stelle hatten und aus der Haut fuhren, wenn man den Gegenstand auch nur um einen Millimeter davon verrückte.

Acht Jahre.
Bewirkten diese wirklich so viel? In diesem Moment erschien es Nora jedenfalls so. Sie kam sich neben Dan unglaublich jung und kindlich vor... während Dan auf sie geradezu altbacken wirkte.
Doch ehe die junge Frau jene Gedanken weiter vertiefen konnte, erklang Dans weiche Stimme in die Stille hinein.
Ein zurückhaltendes, doch sanftes Lächeln legte sich auf Noras Lippen.
„Danke, auch dir Frohe Weihnachten.“
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 14:19

Daniel sah etwas wie Distanz ja beinahe wie Abwertung in Noras Augen aufflackerte als sie sich entschuldigte. Er biss sich auf die Unterlippe. Er hatte nicht altmodisch wirken wollen oder so, er war einfach zu sehr in Gedanken gewesen als dass er auf den kindlichen Spaß eingehen wollte.
Und wieso hatte Dan dann penibel das Kissen zurecht gerückt? Vielleicht wollte er sich einfach ihr nähern, ihr nah sein, deshalb hatte er sich über sie gebeugt und dem Kissen seine vermeintliche Aufmerksamkeit etwas länger gewidmet als nötig gewesen wäre. Doch hätte er sich, obwohl er es eigentlich wusste, es niemals wirklich eingestanden. Nun sah er kurz betreten auf seine Finger.

Nachdem der junge Mann auf die Uhr geschaut hatte und ihr freundlich, beinahe entschuldigend, frohe Weihnachten gewünscht hatte und sie es erwiderte, war sein Blick, welcher sich auf Nora richtete, noch immer ein Mix aus Gefühlen, doch diesmal eher aus entschuldigender Freundlichkeit, aber auch beinahe etwas Flehendes.
Dan drehte sich dann beinahe frustriert wieder zu dem Glühweinglas um und leerte das nun noch ein Viertel volles Glas mit einem Zug. Sofort wurde ihm wieder wärmer, aber dennoch spielte sich alles gleichzeitig in seinem Kopf ab. Wieso musste er auch so viel immer über alles nachdenken? Er war kein Mensch der Tat, eher des Denkens, wobei er auch gerne mal Hand anlegte, aber eben nicht, wenn es um ... 'so etwas' ging.
Er war der Typ Mensch, der zuhörte und darauf wartete, dass jemand anderes die Gelegenheit wahrnahm, das war schon immer gewesen. Er erinnerte sich nicht daran, wann er das letzte mal eine Frau angesprochen hatte, Chloé hatte er zwar angesprochen, jedoch freundschaftlich - wenn es bereits um die Absicht ging den oder die andere aus Interesse anzusprechen, wurde er angesprochen. Der Heiler seufzte. Vielleicht sollte er wirklich mal etwas in seinem Leben ändern.

Abermals sah Daniel nun zu der jungen Frau auf. Mittlerweile war es stockfinster draußen, sodass das einzige Licht in dem Raum von dem Karmin kam. Die hellen Flammen spiegelten sich in Noras Augen wieder und tanzen fröhlich umher. Darauf bedacht, dass man ihm nun nichts von dem Chaos im Innern ansah, öffnete er leicht den Mund um irgendetwas zu sagen, doch schloss ihn dann auch schon wieder, ohne ein Wort gesprochen zu haben. Was sagte man in einer solchen Situation?
Stattdessen sah er weiter dem Schauspiel in den braunen Augen der Frau zu. Kurz schloss Dan die Augen, in diesem kurzen Augenblick sah er weiterhin die Augen und die Flammen vor sich. Sogleich öffnete er die Augen wieder und blinzelte leicht. Sein Blick glitt von den Augen hinunter zu ihren Lippen. Kurz verweilte er dort, sah dann abermals zu den Augen.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 14:58

Als Dans Blick Nora diesmal traf, bereute sie ihre Gedanken und vor allem ihre Reaktion zutiefst.
Seinem Blick haftete etwas Entschuldigendes, ja beinah Flehendes an, bei dem die junge Frau förmlich spürte, wie sie dahinschmolz.
Am liebsten wäre sie sogleich näher zu ihm hin gerückt, hätte ihm sanft über eine Wange gestrichen, sein dunkles, unglaublich weiches Haar zur Seite gestrichen und ihm ein aufrichtiges Entschuldigung in sein Ohr geflüstert.
Doch ihre Verlegenheit hinderte sie daran und verdammte sie stattdessen dazu, still und stumm an ihrem Platz zu verharren... wobei es Nora geradezu erschien, als säße sie auf glühenden Kohlen – so sehr loderte jenes Verlangen in ihr auf und erfüllte sie mit einer erwartungsvollen Unruhe.

Um sich abzulenken, nippte Nora ein weiteres Mal an ihrem Glas und nahm den Rest der rötlichen Flüssigkeit in sich auf. Augenblicklich fühlte sie, wie sich die Wärme in ihr ausbreitete und jede Ader, jede Faser ihres Körpers damit durchtränkte – und die Angespanntheit und Unruhe aus ihnen vertrieb. Die junge Frau fühlte sich gleich ein wenig besser. Nicht gut, denn ihr Gewissen nagte noch immer ein wenig an ihr, aber doch besser.

Gedankenvoll musterte Nora ihre Hände, die sie auf ihrem Schoß gebettet hatte und deren Finger miteinander verflochten waren.
Unwillkürlich erinnerte sich die junge Frau daran, wie sich seine Hand auf ihrer Schulter angefühlt hatte und stellte sich vor, wie es wohl wäre, seine Hand verflochten mit der ihrigen zu fühlen. Seine warme, so zarten Finger, die in ihrer Hand ruhten und sanft, so unscheinbar und flüchtig wie ein Windhauch über ihre Haut strichen. Das angenehme Kribbeln, das von der Stelle augenblicklich ausgehen und sich in ihrem ganzen Körper verbreiten würde... die Wärme, die Geborgenheit, die sie erfüllen würde...

Nora sah auf und begegnete dabei Daniels Blick. Mittlerweile war es recht dunkel geworden, lediglich das Kaminfeuer erhellte den Raum und umgab Daniel mit einem warmen Schein.
Abermals verlor sich die junge Frau in den unbeschreiblichen Tiefen seiner Augen, die sie alles um sie herum vergessen ließen. Das einzige, das in diesem Moment noch existierte und von Bedeutung war, waren Dan und sie.
Während sich Nora in seinen Augen förmlich verlor, sich von dem Meeresblau mitreißen ließ, das ihr jegliche Gedanken aus dem Kopf fortwusch und ihr das Gefühl gab, zu schweben, lehnte sie sich erneut etwas nach vorne. Diesmal nahm sie jedoch keine Notiz mehr davon. Allzu gebannt ruhte ihr Blick und ihre ganze Aufmerksamkeit auf Dans Augen, die sie wie magisch anzogen.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 15:20

Daniel beobachtete weiterhin die sich tummelnden Flammen in den schönen dunklen Augen, bis er merkte, wie sich Nora abermals nähe zu ihm beugte - was das Absicht? Am liebsten hätte er den Blick abgewandt, doch er konnte es nicht. Wie magisch sah er weiterhin in ihre Augen. Wollte sie ihn etwa dazu bringen? Nein, das konnte er sich nicht vorstellen, nicht bei ihr ... Chloé hätte er es zugetraut, Nora nicht. Doch der Vergleich mit Chloé rauschte nur kurz an seinen Gedanken vorbei, er kümmerte sich in diesem Moment reichlich wenig um die blonde Lehrerin. In der Tat sah diese im Vergleich zu Nora wie ein Modepüppchen aus - was sonst gar nicht Dans Typ von Frau entsprach, wenn er überhaupt einen hatte. Ohne irgendwelche Schuldgefühle sah er also weiter zu der jungen Frau.

Wieso tat sie ihm das an? Was aber noch wichtiger war: WIESO konnte sie ihm das antun? Sie war zwanzig und nur eine Freundin, wieso schlug sein Herz trotzdem in diesem Moment so schnell? Vielleicht sollte das von Nora hervorgerufen werden? Das war einfach nur dumm. Irrsinnig. Doch im Vergleich zu dem, was der junge Mann nun tat, war das gerade zu selbstverständlich und total sinnig.

Daniel beugte sich ebenfalls leicht vor. Er schloss seine Augen während er zum zweiten Mal an diesem Tag den Kopf leicht schief legte und seine Lippen sanft an die ihren schmiegte. Leise im Hintergrund klingelte nun doch eine Alarmglocke wie wild vor sich hin, doch er ignorierte sie einfach. Er war nicht mit Chloé zusammen, er hatte durchaus für eine Verhältnisse gut getrunken und Nora ... war doch irgendwie anders als er gedacht hatte - außerdem hatte die doch warme und beinahe romantische Atmosphäre den Rest dazu beigetragen!
Beruhigt und sichtlich erleichtert stellte Dan fest, dass sie durchaus dem Kuss nicht abgeneigt zu sein schien. Vorsichtig drückte er die junge Frau leicht in das Kissen, welches er zuvor noch zurecht gezupft hatte, und rutschte zu ihr auf.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 15:54

Der Zauber, der von Dans Augen ausging, legte sich wie Nebel um Noras Gedanken, hüllte diese vollständig ein, bis sie der jungen Frau weit, weit fern erschienen. Auch hinderte jener Nebel sie daran, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als auf Dans Augen.
So nahm Nora ihren Herzschlag, der ihr inzwischen wild und aufgeregt gegen die Brust pochte, nur eher unterschwellig und dass sich ihr Daniel weiter näherte gar nicht mehr wahr.

Erst als nur noch wenige Zentimeter ihre Gesichter voneinander trennten, gelang es Nora, sich von jenem Zauber zu lösen und ihre Augen zu schließen – nur um sich einem weiteren, viel intensiveren Zauber hinzugeben.
Sanft legten sich seine Lippen auf die ihrigen und ließen ihren Herzschlag für einen unscheinbaren Moment aussetzen. Eine gewaltige Woge Glücksgefühle erfasste Nora und riss sie regelrecht mit sich.
So von jenen intensiven Gefühlen berauscht, konnte die junge Frau keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen – außer dem, dass sie sich geradezu schmerzlich danach sehnte, dass sich dieser Moment niemals dem Ende zuneigen möge.
Vergessen war Chloé. Vergessen waren Sorgen. Vergessen waren jedwede Konsequenzen, die sich hieraus ergeben konnten.

Plötzlich spürte Nora unterschwellig ein Kissen in ihrem Rücken und entnahm dem, dass sie wohl mit aufgerichtetem Oberkörper lag – ohne sich allerdings einen Reim daraus machen zu können, wie es dazu gekommen war.
Verlangend intensivierte die junge Frau den Kuss ein wenig, während eine ihrer Hände zu Dans Brust wanderte. Sie konnte deutlich seinen Herzschlag unter ihren Fingern spüren... oder war es lediglich ihr eigener Puls, der ihr so kräftig in den Fingerspitzen pochte?
Geradezu unschuldig wanderten ihre Fingerspitzen weiter zum obersten Knopf seines Hemdes, lösten diesen aus dem Knopfloch und erkundeten kurz die wenige, dadurch freigelegte Haut. Doch dann glitten sie flink weiter zu seinem Hals und strichen sanft darüber.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 16:27

Daniel spürte, beinahe mit Genugtun, wie Nora den Kuss intensivierte. Nun mit neugewonnener Sicherheit öffnete er sanft mit seiner Zunge ihren Mund und begann sanft mit der ihren herumzuspielen. Sein Herz pochte in verräterisch schnell und in seinen Ohren rauschte es. Unterschwellig nahm er wahr, wie ihre Hände sich auf seinen Brustkorb legten. Es war ein schönes Gefühl. Sie waren sie so nah, dass es beinahe weh tat, aber dennoch fühlte es sich überraschend gut an und auch nicht so falsch wie der junge Mann gedacht hätte.

In der Tat musste Dan beim Küssen leicht in sich hinein grinsen als sie einen Knopf seines Hemdes öffnete. So klein und unschuldig war sie anscheinend doch nicht, auch wenn sie meistens so wirkte. Beinahe fühlte er sich in diesem Moment als wäre er der Jüngere von ihnen beiden. Als ihre Finger zunächst sanft seine Haut, welche nun nicht mehr durch das Hemd geschützt war, und dann seinen Hals entlang strichen, brannte er innerlich.

Ohne, dass Dan irgendetwas dagegen tun konnte, löste er den Kuss, um sie anzulächeln, beinahe war es ein Grinsen. Aber sofort eröffnete er einen neuen zärtlichen Kuss, doch diesmal legte er den Kopf auf die andere Seite. Abermals vertiefte er den Kuss wie zuvor. Sanft strich der Heiler über ihre weiche Wange. Es war ein vertrautes, aber auch prickelndes neues Gefühl, das ganze mit Nora.

Vorsichtig glitt der junge Mann mit seinen Fingern unter ihr T-Shirt. Weiche Haut verbarg sich unter dem Stoff. Er strichelte sanft über ihren warmen Bauch. Weiter jedoch traute er sich nicht. Er wollte ja nicht mit ihr schlafen! Also, zumindest war dies nicht sein Vorhaben, bisher. Bisher dachte er auch, dass diese Situation so unmöglich war, wie nur irgendetwas. Daniel war nicht der Typ, der einfach, weil er versetzt wurde, sein Ego mit solch einer Aktion aufbessern musste. Im Gegenteil, er mochte solche Leute nicht, die dergleichen taten. Außerdem wollte er die, doch wirklich nicht nur ein Jahr Jüngere, ja nicht zu irgendetwas zwingen oder ähnliches! Und nun? Nun lag sie halb und saß halb unter ihm.
Ein leichtes Prickeln ging von der Berührung ihrer beiden Lippen auf, die sich berührten und leichte Hitze stieg in ihm auf.

Der junge Mann zog schließlich die Hand unter ihrem T-Shirt wieder weg, was dachte er sich eigentlich dabei? Vorsichtig, aber bestimmt beendete er auch den Kuss. In seinem Kopf hatte sich das Gewissen dann doch mit Zweifeln gemeldet, zwar war Nora kein Kind mehr, aber doch deutlich jünger. Er wollte ja nicht zu weit gehen! Über dies hinaus, kannten sie einander kaum! Wobei sie sich heute Abend schon besser kennen gelernt haben, aber dennoch! Aber ... ja, aber er wollte es ja auch, den Kuss, ihre Nähe. Wieso erschloss sich ihm nicht ganz ... In seinem Kopf tobte ein Wechsel zwischen 'ja' und 'nein', 'richtig' und 'falsch' während er sie ansah.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 17:26

Nora spürte, wie Dans Zunge sanft ihren Mund öffnete und diesen erkundete und schließlich mit ihrer Zunge spielte.
Mit diesem wunderbaren Gefühl ging eine glühende Hitze einher, dass die junge Frau glaubte, sich nicht vor dem Kaminfeuer, sondern mitten in ihm zu befinden.
Und doch war jene Hitze keineswegs unangenehm, im Gegenteil. Sie entfachte ein leidenschaftliches Feuer in ihr, das sie den Moment noch intensiver fühlen und noch mehr auskosten ließ.

Sanft löste der Ältere den Kuss, woraufhin Nora ein wenig verwundert die Augen öffnete und ein seliges Lächeln auf seinen Lippen entdeckte, das sie augenblicklich ansteckte. Vermutlich war es seine Reaktion auf ihre Berührungen an seiner Brust und die junge Frau spürte, wie abermals die Wärme in ihren Wangen sammelte und diese erröteten – falls sie das nicht bereits waren durch den Glühwein und dem hier.
Ehe sie sich weitere Gedanken darüber machen konnte, nahmen seine Lippen die ihrigen wieder zärtlich in Besitz. Nora spürte seine Hand, die ihr sanft über die Wange fuhr und dort eine brennende, prickelnde Spur hinterließ.
Schon lange hatte sich die junge Frau nicht mehr so lebendig gefühlt – schon lange war sie nicht mehr mit derart intensiven Gefühl erfüllt gewesen... War sie es denn überhaupt schon jemals gewesen?

Plötzlich nahm Nora eine Hand wahr, die ihren Weg unter ihre Bluse fand und dort sanft über ihren Bauch streichelte. Bei jener Berührung schienen alle Eindrücke und Gefühle weiter an Stärke zu gewinnen, weshalb die junge Frau glaubte, unter seinen Berührungen verbrennen zu müssen.
Leise seufzte sie in den Kuss hinein. Jener Laut ließ Nora aufhorchen und sie der Situation noch auf eine andere Weise gewahr werden. Eine weitaus unangenehmere, noch dafür vernünftigere Weise. Ihr Gewissen hatte sich aus dem Schweigen erhoben und attackierte sie aufs Neue.
Sie lag hier. Mit einem Mann, der bereits glücklich mit einer anderen Frau war... und an den sie sich geradezu schamlos ranmachte. Zu allem Überfluss auch noch an einem Fest, an dem man so was eigentlich nicht gemacht haben müsste. Heiligabend.
Nora wurde sich allmählich gänzlich darüber bewusst, welchen ungezügelten Lauf sie ihrer Leidenschaft gelassen hatte. Und das war nicht gut. Das war gar nicht gut.

So, als hätte er das Gleiche gedacht, zog Daniel seine Hand zurück und beendete sachte den Kuss.
Beinahe so etwas wie Erleichterung durchströmte Nora... und ein feiner Hauch Enttäuschung. Ein dummes, vollkommen unangebrachtes Gefühl.
Die junge Frau öffnete die Augen und musterte Dans Gesicht, das dem ihrigen immer noch sehr nah war. Ein ständiges Wechselspiel zwischen Zweifel und Zufriedenheit schien sich auf seinen Zügen zu spiegeln.
Noch unfähig, wieder ihre Stimme zurückzufinden, lächelte Nora ihn zugleich verständnisvoll, als auch ein klein wenig traurig an.
Sie war nicht traurig, dass er den Kuss beendet hatte, nein. So egoistisch war sie wirklich nicht.
Nein, sie war traurig, weil es herzzerreißend mit anzusehen war, wie Dan offensichtlich einen Kampf mit seinem Gewissen ausfocht... und weil das Ganze so furchtbar schwierig und verzwickt war.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 18:22

Ihr schien es nicht anders zu gehen, da Nora ebenfalls mit gemischten Gefühlen zu ihm sah. Daniel konnte in ihrem Blick so etwas wie Verständnis ablesen als könnte sie seine Gedanken lesen. Er brachte kein Wort raus, dafür bedrückte seine eigenen Gedanken und ihr Gesichtsausdruck ihn zu sehr. Er schluckte, doch der Klos in seinem Hals bewegte sich keinen Millimeter von der Stelle. Ein wenig schwindelig schloss er die Augen. Einfach einen Moment warten und wenn er sie wieder öffnen würde, wäre alles in Ordnung. Doch als er wieder etwas sehen konnte, hatte sich die Situation keinen Deut geändert. Ein leises Seufzen kam ihm über die Lippen, welche zu brennen schienen. Er konnte nicht sagen, dass er das gerade nicht auch gewollt hatte, aber bei ihm kam die Unsicherheit ausnahmsweise nicht von dem Gedanken an Chloé hervor gerufen wurde. Dachte Nora etwa an die Ältere? Das fehlte ihm ja noch!

"Ich, also", endlich hatte der junge Mann seine Stimme wieder gefunden: "Ich bin nicht mit ihr zusammen." Mit 'ihr' war eindeutig Chloé gemeint. Aber hätte er nicht etwas Sinnvolleres sagen können? "Also nicht, dass du denkst ...", ja, was sollte sie auch denken? Er sah auf sie hinunter und wurde sich je bewusst, wie nah sie sich immernoch waren. Doch er war unschlüssig, ob er es nun beenden sollte oder nicht. "Ich mag dich wirklich, aber. Es ist nur, ich - wir - wir kennen uns nicht besonders gut, oder? Und du bist jünger und ..." Was stotterte er denn da vor sich hin? Schweigen war manchmal eben doch Gold, aber er hatte das Gefühl sein Unbehagen zu begründen, da es nichts mit Chloé zutun hatte und er wollte, dass sie es wusste. "Ich tu das auch nicht als Rache oder um mein Ego aufzubessern oder so", murmelte Daniel also weiter: "Ich höre mich grad an wie der letzte Idiot." Oh ja. Und wie.

Dan schloss abermals kurz die Augen und wiederholte das Seufzen. Als er die Augen wieder öffnete lächelte er leicht traurig und strich ihr ein paar braune Haarsträhnchen aus dem hübschen Gesicht. Wie sollte das mit ihnen denn weiter gehen? Wenn es endete hier an der Stelle, wie könnte er ihr danach je wieder in die Augen sehen? Die Konsequenzen trommelen gerade wie Hagel auf ihn ein. Aber wieso sollte es enden? Ihnen beiden schien es doch gefallen zu haben, oder? Aber er wusste auch nicht, ob er wirklich für sie in dieserlei Hinsicht der Richtige war. Vor allem: Was sollte nach dem Ganzen werden? Sollten sie ein Paar sein oder wie?
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 19:43

Als Dan kurz die Augen schloss, dabei die Nachdenklichkeit noch stärker Einzug auf seinen Zügen zu halten schien, machte sich Nora ein wenig Sorgen. Waren sie diesmal zu weit gegangen? Waren die Konsequenzen diesmal unausweichlich? Was würde das für ihre Beziehung zueinander – diese Freundschaft, die Nora bereits sehr wertschätzte – bedeuten?
Nach einer kleinen Weile öffnete der Ältere seine Augen wieder, ließ seinen Blick umherwandern, ehe er leise seufzte. Jener Laut versetzte Noras Herzen einen kleinen Stich. Unbehagen ergriff Besitz von ihrer Gefühlswelt.
Sie wollte nicht, dass er sich schlecht fühlte – vor allem nicht wegen ihr.

Schließlich begann sich Daniel zu erklären. Aufmerksam hörte Nora ihm zu und schwieg während der ganzen Zeit, in der er sprach.
Auch eine ganze Weile, nachdem er geendet hatte, ließ Nora die vollkommene Stille gewähren.
Doch konnte sie nicht ewig schweigen und darauf warten, dass ihr die richtigen Worte – falls es diese für die jetzige Situation überhaupt gab – einfach so zuflogen.
„Okay... gut zu wissen“, meinte Nora etwas unbeholfen auf seine ersten Worte. Was sollte sie denn schon dazu sagen? Du bist nicht mit Chloé zusammen?! Hurra!? Oh ja, ganz bestimmt.
„Ich mag dich auch... sehr sogar.“ Nora errötete bei diesem Geständnis, doch er verdiente es nur, die Wahrheit zu erfahren.
„Auch hast du recht, wir kennen uns noch nicht sonderlich gut... aber das mit dem Alter... ist das denn wirklich so schlimm?“ Nora sah ihn eindringlich an. „Ich möchte dich zu nichts drängen... aber ein klein wenig Klarheit wäre nicht schlecht.“ Wenn er sie als zu jung empfand und auf der Ebene, die sie eben betreten hatte, mit ihr nichts mehr zu tun haben wollte, würde sie eben versuchen, das Beste daraus zu machen. Egal, wie schmerzhaft es für die werden würde. Sie wollte ihn zu nichts drängen, was er nicht auch wollte.

Seine nächsten Worte rangen ihr schließlich ein Lächeln ab. Sanft strich sie einen kurzen Moment über seine Wange, ehe die junge Frau ihre Hand wieder zurückzog.
„Das habe ich auch nicht gedacht. Keinen Augenblick.“ Nein, Daniel war nicht der Typ Mensch, der etwas dergleichen tat.
Als er meinte, er höre sich wie der letzte Idiot an, schüttelte Nora den Kopf.
„Nein, das tust du nicht, kein bisschen.“
Nora lächelte sanft und beobachtete dann, wie Daniel abermals die Augen schloss und leise seufzte. Diesmal war das Öffnen seiner Augen von einem traurigen Lächeln begleitet, das ihr abermals im Herzen stach. Sie wollte nicht, dass er traurig war. Doch was sollte sie tun? Was konnte sie tun, ohne die Situation noch schwieriger zu machen als sie ohnehin schon war?
Nora genoss das Gefühl, das Dan hinterließ, als er ihr eine Haarsträhne zurückstrich.
Zugleich weckte es eine feine Angst in ihr. Angst vor der Zukunft von ihnen beiden – wenn denn eine bestand.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   13.08.11 20:21

Sehr sogar? Sie mochte ihn sehr? War das etwa ... Daniel blinzelte leicht. War Nora etwa ... in ihn verliebt? Sie wurde auch noch rot. Doch sie ließ ihm keine Zeit darüber nachzudenken, denn sie Antwortete bereits auf seine andere Aussage. Verdammt, hatte er da gerade ihren wunden Punkt getroffen. "Nora", begann er leise zu erklären: "Mir ist das egal! Klar, mir ist bewusst, dass ich meine, falls, also wenn ich mit dir zusammen sein würde, dann wäre das mit der Familienplanung und." Er stoppte, er wurde wirklich feuerrot. Er und sie Familienplanung? Tolles Thema! "Also nicht das ich jetzt also wir." Na ganz klasse.
Dan lachte nervös und schloss kurz die Augen. "Es ist nur, dass ich DICH nicht überfordern will oder so ... zu irgendetwas nötigen oder so ...", murmelte er mit noch immer geschlossenen Augen. Irgendwie war es wirklich einfacher sie dabei nicht anzusehen. "Ich habe einfach Angst, dass ich irgendetwas falsch mache." Ja, das war es. Er wollte sie einfach nicht überfordern.

"Wie also ...", nuschelte er und schüttelte dann den Kopf: "Ich sollte vielleicht besser den Mund halten, oder?" Der junge Mann grinste sie freundlich, aber auch nervös an. Die junge Frau brachte ihn wirklich manchmal dazu sich wie ein Teenager zu fühlen, der nicht wusste, was er tun war. "Ich komm mir gerade vor als wäre ICH mit mehr nur einem Jahr Abstand der Jüngere! Als wäre ICH ein Kind", gestand er lächelnd.

Daniel hielt nun wirklich den Mund, vielleicht sollte sie einfach reden. Wahrscheinlich kam bei ihr Besseres heraus als bei ihm, oder etwa nicht? Vielleicht. Doch dann überkam es ihm einfach, die junge Frau war einfach ... zu ... zu. Ohne darauf zu achten, was möglicherweise besser war, beugte er sich wieder tiefer zu ihr runter und küsste sie kurz, aber zärtlich auf die weichen Lippen. Sofort krickelte es an dieser Stelle. Wieso brachte SIE ihn dazu sich so zu fühlen?

Mit Chloé war es anders gewesen, sie kannten sich als Kinder und waren ganz gut befreundet und irgendwann als sie sich als Erwachsene wieder sahen, waren sie im Bett gelandet, als sie getrunken hatten und ... Moment? Hatten Nora und er denn nicht auch jetzt gerade getrunken? Nein, nur ein oder zwei Gläser Glühwein! Er und Chloé hatten viel mehr getrunken! Sie waren absolut besoffen gewesen. Außerdem hatte es bei ihm und Nora schon vorher irgendwie geprickelt an dem Abend. Außerdem waren sie ja (noch) nicht im Bett.

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   14.08.11 0:17

Als Dan leise ihren Namen aussprach, sah sie augenblicklich auf. Sein darauffolgendes Gestammel zauberte ihr ein Grinsen auf die Lippen. Das war ja geradezu süß und wieder einmal so entwaffnend ehrlich und menschlich. So natürlich. Nora mochte Dans Charakter, wie sie ihn bisher kennengelernt hatte, sehr. Ehrlich, offen, natürlich. Keine Intrige hinter dem Rücken, keine Lügen, keine aufgesetzten und unehrliche Gesten.

Doch schließlich drangen ein paar Worte zu ihr vor.
... zusammen sein würde... dann wäre das mit der Familienplanung...
Irritiert sah die junge Frau ihr Gegenüber an, da sie wirklich überhaupt keine Ahnung hatte, wovon dieses gerade so aufgeregt sprach.
Aus ersteres konnte sie sich ja noch einigermaßen einen Reim machen, da das durchaus zu bedenken war, aber... Familienplanung?! Nora runzelte die Stirn. Sie kannten sich kaum und er machte sich bereits sorgen um die Familienplanung? Die junge Frau war schlichtweg verwirrt. Vielleicht meinte er das mit dem Altersunterschied – vielleicht würde sie sich dann einen Reim daraus machen können... oder auch nicht.
Familienplanung. Jetzt?! Nora hätte am liebsten aufgelacht, weil die Situation gerade so absurd-komisch war, doch sie wollte Dan nicht in Verlegenheit bringen... bevor er noch glaubte, dass sie ihn deswegen auslachte. Denn das wollte sie wirklich nicht.

Als Dan plötzlich verstummte und feuerrot anlief, wurde Nora richtig warm ums Herz. Irgendwie tat er ihr ja leid, wie er da gerade so hilflos nach Worten ruderte, doch irgendwie war er dabei auch richtig niedlich... weil es so menschlich war.
Dann lachte der junge Mann nervös auf, woraufhin Nora leise einstimmte. Ihr Lachen klang leicht und entspannt und hatte keineswegs etwas Offensives an sich.
Vielleicht geling es ihr ja so, ihm etwas an seiner Nervosität zu nehmen... zudem war es wirklich so liebenswert, dass sie einfach nicht anders konnte, als ihre positiven Gefühle in einem feinen Lachen auszudrücken.

Doch Dan fand schließlich seine eigene Methode, der Nervosität zu entgehen, in dem er einfach die Augen schloss – und daraufhin auch klare Sätze formulierte.
„Wenn du das getan hättest oder es tust, würde ich dich darauf aufmerksam machen. Doch bislang habe ich mich in deiner Gegenwart noch kein einziges Mal überfordert oder zu irgendetwas genötigt gefühlt“, eröffnete sie ihm und ließ ihren Blick auf seinen weichen Zügen ruhen.
„... ich hoffe, dass ich dich nicht überfordert oder bedrängt habe?“ Nora sah ihn aufmerksam an und spürte, wie die Nervosität allmählich auf sie überging. „Wenn ja, tut es mir aufrichtig leid“, fügte die junge Frau leise hinzu und senkte den Blick.

Sein nächster Satz ließ sie aufhorchen, doch Nora wagte es nicht, den Blick zu heben, aus Angst, dass der Anflug von Nervosität zurückkehren würde – und diesmal wesentlich stärker.
„Die Angst habe ich doch auch... ich möchte nichts tun, was dir widerstrebt und du nicht möchtest... aber... aber.“ Nun suchte die junge Frau verzweifelt nach passenden Worten, doch ihr Kopf war wie leergefegt.
„... doch ließe sich das nicht irgendwie herausfinden?“, beendete Nora den Satz schließlich nach einer kleinen Weile und sah wieder auf.

„Nein, wenn von uns beiden jemand den Mund halten sollte, dann wohl ich“, erwiderte sie lächelnd.
Sein darauffolgendes Geständnis vertiefte ihr Lächeln und ließ es ihr erneut warm ums Herz werden.
Das Bedürfnis, ihn in diesem Moment zu küssen, war beinah übermächtig. Dan war einfach so... liebenswert, niedlich... da wurde sie regelrecht schwach.
Plötzlich spürte sie tatsächlich seine Lippen auf den ihrigen, nur kurz, nur flüchtig... und doch weckte diese zarte Berührung so intensive Gefühle in ihr.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   14.08.11 14:32

Ihr Lachen hatte etwas unglaublich lockerndes, er entkrampfte sich etwas. Gott sei Dank nahm sie das alles auch nicht so furchtbar ernst und wollte direkt eine Entscheidung oder so haben. Es tat gut ihr Lachen zu hören. Dan mochte die junge Frau wirklich gerne und auch ihr warmes, freundliches Lachen. Ihre Augen, ihre weiche Haut ... Bei dem Gedanken wurde er wirklich noch etwas röter. Normalerweise wurde er nie rot, oder zumindest nur sehr selten, aber sie brachte ihn dazu.

Fragte Nora wirklich nach, ob er sich überfordert oder ähnliches gefühlt hatte? Das hatte er natürlich nicht! Ok, die Gesamtsituation für Daniel war nicht gerade entspannt und klar, aber dennoch, er war ja wohl alt genug, um sich nicht von einer jungen Frau so aus der Bahn bringen zu lassen! Er war ja – auch wenn er sich in diesem Moment so fühlte – kein Teenager mehr! Wobei sie ihn wirklich etwas aus der Bahn schubste, aber im positiven Sinne. Als sie sich dann auch noch entschuldigte lächelte der junge Mann sie sanft an. „Nein, keine Sorge, du brauchst dich nicht zu entschuldigen, wenn es nichts gibt wofür man sich entschuldigen müsste“, beschwichtigte er die junge Frau.

Dan hörte ihr kurz zu und musste noch ein wenig breiter lächeln, nun war sie diejenige, die nach Worten suchte. Herausfinden – gute Idee, nur wie? In dem sie sich hinsetzten und ein Gespräch darüber führten wohl kaum, sie hatten gerade beide bewiesen, dass sie wohl kaum zu einem klaren Dialog in der Lage waren, geschweige denn eine vernünftige Diskussion, in der man Dinge abwiegen musste. „Ich weiß nicht ...“, antwortete er also wahrheitsgemäß und strich ihr abermals kurz durch die dunklen Haare.

Dass Nora den Mund halten müsse, war in seinen Augen übertrieben, doch sie beide schienen besser damit bedient zu sein zu schweigen. Als sie sich dann kurz küssten und er dann sofort den Kuss wieder löste musste er wirklich lächeln, ihre Augen trafen sich. Handeln war manchmal eben dann doch besser als reden – aber auch nur manchmal, wenn Daniel diesen Abend nicht gehandelt hätte, beim Mistelzweig, dann wäre es vermutlich auch nicht so weit gekommen ... aber war es so schlimm, dass sie nun in dieser Situation waren?

„Achso“, begann er dann doch mit einer Erklärung: „Wegen dem, nunja, schwachsinnigen Gestammel von gerade: Familienplanung. Ich meine damit nicht, dass ich jetzt anfange mit dir eine Familie zu planen oder so ...“ Ein kleines nervöses Lachen. „Sondern, dass das ein Beispiel wäre, was der Altersunterschied schaffen würde, weil nunja ... Wenn ich zum Beispiel in zwei Jahren heiraten würde, wäre das normal, bei dir ... dann halt nicht so ... alterstechnisch.“ Also so die total tolle Erklärung war das nun auch nicht. „Hört sich irgendwie unüberdacht an, aber ich hoffe du verstehst was ich meine ... und jetzt halt ich wieder meinen Mund, wollte das nur klarstellen.“

Was musste Nora denn von ihm denken? Hoffentlich nicht allzu schlimmes, aber das war unlogisch, sonst wären sie ja nicht in diese Situation gekommen, außerdem hatte sie ja gerade so etwas Ähnliches wie ein Geständnis abgelegt ... War sie wirklich in ihn verliebt? Oder spielte ihm sein Verstand einen Streich? Etwas Klarheit würde nicht schaden ... „Was, was ist jetzt eigentlich, nunja ... zwischen uns? Was genau empfindest du für mich ...?“ fragte er leise und vorsichtig nach.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   16.08.11 0:44

Nora lächelte Dan zugleich erleichtert als auch dankbar an, als dieser meinte, dass man sich nicht entschuldigen müsse, wenn es nichts zu entschuldigen gab.
Demnach hatte sie ihn weder überfordert noch bedrängt. Es tat gut, dies zu wissen, denn das letzte, was die junge Frau wollte, war, Daniel das Leben schwierig zu machen und ihm dadurch lästig zu werden.
Auch, dass er sich durch ihr Lachen zuvor etwas entspannt hatte, erfüllte sie mit Erleichterung und auch mit ein klein wenig Freude. Dass er daraufhin errötete, deutete Nora allerdings nicht als schlechtes Zeichen, im Gegenteil. Sie fand es abermals schlichtweg liebenswert und da er sich danach nicht erneut anspannte und nicht von Nervosität geplagt zu sein schien, genoss sie jenen Anblick. Seine in einem Hauch von Rot blühende Wangen, die so weich waren, dass Nora am liebsten ihre Finger danach ausgestreckt hätte, um sie über die Haut gleiten zu lassen und dabei die angenehme Wärme zu fühlen, die sogleich wie ein Funke auf ihren Körper überspringen und diesen geradezu in Flammen aufgehen lassen würde.

Doch Nora hielt sich zurück. Dafür war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt... gab es den denn überhaupt für etwas dergleichen?
Ehe sie jene Gedanken vertiefen konnte, erhob Dan erneut seine Stimme.

„Dann sind wir da ja schon mal zwei“, erwiderte Nora lächelnd, als Dan sagte, er wisse nicht. Als er ihr daraufhin durch ihr Haar strich, schloss sie für einen kurzen Augenblick glücklich die Augen, um das Gefühl, das sie bei jener Berührung durchströmte, in seiner vollen Intensität zu spüren und zu genießen.
Schließlich öffnete sie wieder ihre Augen und entsann sich dabei seinen Worten, die sie allerdings weder groß störten noch in Unruhe stürzten. Denn die junge Frau glaubte ohnehin nicht, dass sie heute Abend noch eine passende Lösung – falls es diese denn gab – für das Ganze finden würden. Dafür bedarf es einem gebührenden Abstand zu der Situation, der einem schließlich zu einem klaren Verstand verhalf... über den sie gerade beide nicht so wirklich zu verfügen schienen.
Das Einzige, was sie beide nun noch konnten – und wofür Nora auch sehr dankbar wäre – war, etwas mehr Klarheit zu schaffen.

So, als hätte Dan ihre Gedanken gelesen, begann er mit einigen Erklärungen und Klarstellungen.
„Ich verstehe voll und ganz, was du meinst. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht ein wenig naiv, aber... ich fände es jetzt nicht derart schlimm, in zwei Jahren zu heiraten.“ Nora errötete, als sie erkannte, was sie da gerade sagte und wie sich das vor allem anhören musste.
„... also rein theoretisch natürlich.“ Ihre Wangen glühten förmlich und die junge Frau wäre in diesem Augenblick am liebsten im Erdboden versunken.

Deshalb war sie mehr als dankbar, als Dan fortfuhr... und zugleich hätte sie deswegen am liebsten fluchtartig sein Haus verlassen.
Auf seine Frage folgte eine lange Stille, die Nora nicht zu durchbrechen wagte. Stattdessen errötete sie nur noch mehr und wünschte sich fast, an diesem Abend zu Hause geblieben zu sein, ohne jenen verhängnisvollen Spaziergang... und zugleich war alles viel zu schön gewesen, als dass es Nora nun missen wollte.
„Ist das denn nicht offensichtlich?“, fragte sie schließlich nach einer ganzen Weile mit dünner Stimme.
„Ich würde nicht sagen, dass ich dich... nun ja, dass ich dich... liebe, denn dafür... kenne ich dich noch kaum, aber... ich...“ Noras Stimme wurde mit jedem Wort leiser, bis sie die letzten nur noch hauchte: „... ich bin verliebt... in dich... so verliebt wie noch nie in meinem Leben.“ Die junge Frau schloss die Augen und atmete erleichtert aus. Erleichtert? Oh ja, es kam ihr vor, als wäre mit jenen Worten eine zentnerschwere Last von ihrem Herzen gewichen.
Und zugleich schlich sich Angst in ihr Herz. Angst davor, wie Daniel auf ihre Worte reagieren würde.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   17.08.11 0:52

Daniel sah sie etwas irritiert an und musste dann leise lachen. Nora in einem Hochzeitskleid war eine durchaus niedliche Vorstellung. Eine sehr niedliche sogar. Vielleicht sähe sie sogar etwas ungeschickt mit eine Schleppe aus ... Auf jeden Fall wäre sie die Blicke wert, die sie zum Altar verfolgen würden.
Die junge Frau als Braut gut und schön, aber als Mutter? Dan musste zugeben, dass er sich das weniger vorstellen konnte, dabei hatte er schon Schwierigkeiten sich selbst als Vater zu sehen. Das bedeutete in seinen Augen sofort eine solch Reifr und wichtigere Rolle, dass er nicht wusste, ob er sie bereits ausfüllen könnte - Papa Daniel? Er wusste ja nicht genau, auch wenn er unbedingt Vater werden wollte, im Moment sah er sich noch nicht wirklich als einer, aber vielleicht würde diese Erkenntnis mit dem Kind selbst kommen. Wer weiß?

Kurz musste er sich vorstellen wie es wäre, wenn Nora die Mutter sein Kinder werden würde. Irgendwie gefiel ihm die Vorstellung. Seine Kinder mit den gleichen dunklen Augen und dem süßen Lächeln? Durchaus eine Überlegung wert. Schnell verdrängte er den Gedanken, woran dachte er denn gerade?!

"Ich weiß nicht, würdest du es denn heil zum Altar schaffen?" fragte Dan neckend nach ohne dabei auch nur einen Anflug von Boshaftigkeit zu zeigen, er meinte es wirklich nur lieb. In Wirklichkeit würde er sogar gerne bei ihrer Hochzeit dabei sein, egal ob er nun der Glückliche war oder nicht. Kurz stieg ihm das Rot in die Wangen, was für eine Überlegung!

Dann nahm Daniel ihre Worte war, wenn es ihm so klar gewesen wäre hätte er kaum nachgefragt ... Noras nächsten Worte ließen ihn verblüfft zurück sehen. Er gönnte ihr mit ganzem Herzen, dass es sie so richtig erwischen sollte, aber doch nicht mir ihm?! Verliebt wie noch nie. Oh mein Gott! Er ging auch noch auf sie ein! Nein nein! Das war nicht gut ... Aber sie war auch so ... So verführerisch wie sie unter ihm dalag.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   17.08.11 15:47

Als Dan leise lachte, errötete Nora noch mehr. Zwar haftete jenem feinen Lachen nichts Böses oder gar Verhöhnendes an, dennoch waren ihr ihre Worte dadurch noch peinlicher.
Sonst fand die junge Frau doch auch immer die richtigen Worte, oftmals mit einer Leichtigkeit, die andere verblüffte. Warum also jetzt, in diesem entscheidenden Moment, nicht?
Nora wusste, wieso – der Grund hierfür saß ganz in ihrer Nähe und brachte sie bereits mit einem einzigen Blick vollkommen durcheinander. Es war, als würde er sie ihren Verstand vergessen und dafür umso intensiver ihre Gefühle erleben lassen. Es fühlte sich keineswegs unangenehm an, im Gegenteil, doch es führte leider auch immer wieder zu diesen peinlichen Momenten...
Wobei diese ja manchmal auch ganz amüsant sein konnten.

Außerdem war der Gedanke doch gar nicht so verkehrt – sie in einem Hochzeitskleid und sei es auch bereits in zwei Jahren. Vor allem dann nicht, wenn er vorne am Altar mit einem glückseligen Funkeln in den Augen auf sie wartete... und sie würde den Blick nicht mehr von ihm abwenden können – und es auch nicht wollen. Seine elegante Erscheinung und vor allem sein vertrautes Gesicht mit jenen wundervollen Augen würden sie alles um sich herum vergessen lassen – und damit auch jegliche Nervosität aus ihr tilgen.
Nora war nicht gerade der Mensch, der es genoss, wenn alle Blicke der Anwesenden auf ihn gerichtet waren – was bei ihrer Hochzeit wohl unweigerlich der Fall sein würde. Vielmehr wollte sie nicht mehr als unbedingt nötig im Mittelpunkt stehen.
Doch die junge Frau bezweifelte, dass sich jene Träumereien in baldiger Zukunft erfüllen würden – das musste ja auch nicht sein. Sie wollte keineswegs überstürzt handeln und noch keimte eine Hoffnung tief in ihr, die sie niemals gegenüber irgendjemanden äußern würde, dass aus Dan und ihr eines Tages vielleicht doch mehr als nur Freunde wurden. Denn noch hatte keiner und wirklich keiner je annäherungsweise solche Gefühle in ihr hervorgerufen.
Und um sie ihrer Hoffnungen zu berauben, bedarf es so einiges – denn dafür war sie viel zu optimistisch.

Plötzlich wurde sie von Dans samtener Stimme aus ihren Grübeleien gerissen.
Nora bedachte ihren Gesprächspartner mit einem gespielt bösen Blick.
„So schlimm bin ich jetzt auch wieder nicht.“ Doch da sie jene gespielt beleidigte Miene nicht lange aufrechterhalten konnte, eroberte sogleich wieder ein Lächeln ihre Lippen.

Als Nora nach ihrem Geständnis lediglich eine endlose Stille vernahm, öffnete sie schließlich zaghaft die Augen. Dans Züge ließen nicht erahnen, was in ihm vorging oder an was er dachte. Zum einen war es gut, denn damit machte die junge Frau keinen Schock oder gar Abneigung darauf ausfindig, doch andererseits... jene Ungewissheit nagte ebenso an ihr.
So fragte Nora nach einer Weile leise: „Und du? Was empfindest du für... mich?“
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   17.08.11 20:03

Ja, so schlimm war sie nicht. Aber dennoch, die Vorstellung wie Nora eher ungeschickt als elegant zum Altar 'schwebte' war irgendwie mehr als nur niedlich. Beinahe ... beinahe fand er es schon zu sympathisch und süß! 'Daniel, nein. Nein. Daran darfst du nicht denken! Ihr seid nur befreundet und außerdem ist sie - keine Ahnung ... ein No-Go eben!'
Die Stimme in seinem Kopf holte den jungen Mann zurück in die Realität.

Ihr Blick war wirklich gar nicht böse, eher süß, sehr süß. Er grinste und fuhr vorsichtig mit einem Zeigefinger über ihre Lippen als sie lächelte. Eine angenehme, aber doch sehr leichte Röte legte sich auf seine eigenen Wangen. "Ich möchte dann doch zumindest gerne sehen, wie du es zum Altar schaffst ...", flüsterte er, wieder huschte der Gedanke an sie beide als Brautpärchen an ihm vorbei. Am liebsten hätte er den Kopf geschüttelt, doch Dan war noch immer gleichzeitig zu gebannt von ihrem Lächeln, den vollen Lippen ... wie weich sie sich unter seiner Haut anfühlte. Er zog die Hand zurück.

Mit einer Rückfrage hatte er nicht gerechnet. Gar nicht. Sofort wurde die Röte in seinem Gesicht extremer. Gute Frage, was fühlte er eigentlich für Nora? Die junge Frau war nur eine Freundin, aber dennoch hatte er sie an diesem Abend schon öfter als nur einmal geküsst und es hatte ihm wirklich gefallen. Er mochte sie wirklich aufrichtig, aber verliebt? Nein, dafür war er außerdem zu alt! Aber wieso hatte er sie dann geküsst? Daniel war mit Chloé, naja, fast zusammen, da küsste man nicht einfach eine wirklich gut aussehende ... andere Frau!

"Naja", begann er und schloss kurz die Augen, atmete tief durch und sah sie dann wieder an: "Ich hab keine Ahnung, um ehrlich zu sein, ich hab bisher noch nicht darüber nachgedacht. Eigentlich, also ich kenne dich natürlich kaum - wie du gerade schon angesprochen hast - aber bis heute Abend dachte ich wir wären vielleicht Bekannte, maximal Freunde, aber mehr auch nicht ... Und jetzt - bin ich einfach nur verwirrt! Ich mag dich nämlich schon wirklich gerne ..." Seine Stimme wurde leiser zum Ende hin.

Wieso mochte er sie auch? Sie sah so niedlich aus ... aber dennoch irgendwie reif und verständnisvoll, sie war witzig, wirklich intelligent und auch wirklich attraktiv. Er schloss die Augen und biss sich auf die Unterlippe.

Daniel öffnete die Augen wieder und bemerkte, dass er ja noch immer irgendwie auf ihr lag. Nicht gut. Er ging von ihr runter und legte sich stattdessen auf die andere Seite des Sofas und sah sie an. Nun war zwar etwas Entfernung zwischen ihnen, aber noch immer war Nora so nah bei ihm, dass sein Herz wirklich schneller schlug. Was sollte er denn jetzt machen? Nicht gut! "Es tut mir leid, wirklich, ich wollte nicht mit dir spielen oder dir Hoffnungen machen", hauchte er leise in ihre Richtung. Dabei wäre er wirklich gerne noch etwas ... etwas weiter gegangen?! Was dachte er da? Total idiotisch!
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   19.08.11 22:19

Noras Lächeln verbreiterte sich, als Dan ihr einen Finger auf die Lippen legte. Obwohl jene Berührung so unscheinbar war, löste sie doch ein elektrisierendes Prickeln auf ihrer Haut aus, das sich langsam über ihren gesamten Körper ausbreitete und ihr Herz geradezu anzuspornen schien, noch schneller zu schlagen.
Man hätte es wirklich schon beinah als Magie bezeichnen können, welche Wirkung Daniel auf sie hatte.
Seine nächsten Worte ließen die junge Frau erröten, doch taten sie ihrer Glückseligkeit keinen Abbruch – im Gegenteil.
„Nur zu gerne“, erwiderte Nora mit funkelnden Augen und hätte am liebsten hinzugefügt, dass er sie unweigerlich sehen würde, wenn er am Altar auf sie wartete... doch ihre Schüchternheit hinderte sie daran – außerdem musste sie ihm ihre Träumereien – die ja immerhin nur Träumereien waren – nicht so offensichtlich auf die Nase binden... womöglich würde ihn das noch abschrecken.
Doch dafür sprach ihr Blick Bände, ohne dass die junge Frau etwas dagegen hätte tun können.

Plötzlich zog er die Hand zurück, doch das nahm Nora nur eher unterschwellig wahr. Viel zu gebannt erwartete sie seine Antwort auf ihre Frage... wobei sich Erwartung und Angst einen erbitterten Kampf lieferten, was ihr hoffentlich nicht allzu deutlich anzusehen war.
Als Dan schließlich sprach, hielt die junge Frau unbewusst den Atem an.
Seine Worte trieben ihr schließlich jegliche Anspannung aus dem Körper – beinah hätte sie sogar erleichtert aufgeatmet.
Selbstverständlich hatte sie kein superromantisches Liebesgeständnis erwartet, bei dem er vor ihr auf die Knie ging und dem dann womöglich noch ein Heiratsantrag folgte – um Merlins Willen, nein! Denn dafür kannten sie einander eindeutig zu schlecht – sie waren ja lediglich eine flüchtige Bekanntschaft! ... jedenfalls bis heute Abend.
Seine letzten Worte behielt sich Nora in ihrem Herzen. Nicht, dass sie sie später für irrsinnige Schwärmereien und Hoffnungen hervorholen konnte. Sondern weil sie ihr einfach gut taten.
Ja, es tat gut, derartige Worte aus Daniels Mund zu hören... vielleicht sogar ein wenig zu gut.

Eine Bewegung riss die junge Frau aus ihren Gedanken. Dans Gewicht wich langsam von ihr und augenblicklich vermisste Nora seine Wärme – beinahe schmerzlich.
„Ich weiß“, antwortete die junge Frau, als Dan meinte, er wollte ihr keine Hoffnungen oder dergleichen machen. Nein, dafür war er auch nicht der Typ Mensch. Denn so, wie sie ihn kennengelernt hatte, war er eine Person, die viel Wert auf Ehrlichkeit und Offenheit legte... was Nora sehr zu schätzen wusste.
Wie von alleine wanderte ihre Hand behutsam zu seiner Wange und strich mit feinen Fingern darüber, während sich die junge Frau abermals in seinem endlosen Blick verlor.
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