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 Unter dem Mistelzweig

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BeitragThema: Unter dem Mistelzweig   30.07.11 21:39

Wo?
Straßen und Gassen von Hogsmeade

Wann?
Heiligabend, es ist bereits dunkel

Wetter
Es schneit leicht und ist dementsprechend kalt

Wer?
Daniel Washington & Nora Pavington


Nora liebte den Sommer und wurde nicht selten selbst als Sonnenschein bezeichnet, doch ebenso liebte sie das feine Geräusch von sacht fallendem Schnee und das Gefühl der weichen Flocken, wie sie ihr Gesicht sanft berührten, ehe sie dahinschmolzen.
Mit den Händen tief vergraben in den Taschen ihres Mantels wanderte die junge Frau durch die bezaubernde Winterlandschaft, die in dem durch die dünnen Wolkenschleier dringenden Mondlicht funkelte, als wäre es kein Schnee, der die Welt bedeckte, sondern Sternenstaub.
Verträumt ließ Nora diese Eindrücke auf sich wirken und gewährte ihren Gedanken freien Lauf. Sie dachte an das Jahr, das bald zu Ende ging, all die Überraschungen, die es mit sich gebracht hatte, sowohl die negativen als auch die positiven. Alles in allem war es ein wirklich schönes Jahr gewesen. Sie hatte ihren Bruder wiedergefunden, auch wenn sich dieser ihr auf unerklärliche Weise verändert hatte. Hin und wieder verschwand er spurlos und meist ohne ein Wort der Erklärung – so wie auch heute. Doch sie war froh, ihn überhaupt wieder bei sich zu haben.
Außerdem hatte sie jemanden kennengelernt... bei dem bloßen Gedanken an ihn schlug ihr Herz augenblicklich schneller. Allerdings wusste sie nicht, wie und ob sich da überhaupt irgendetwas entwickeln würde.

Als hätte jemand ihre Gedanken gelesen, tauchten inmitten des feinen Schneetreibens Konturen auf, die Nora äußerst bekannt vorkamen. Augenblicklich blieb die junge Frau stehen und starrte gebannt auf die Stelle, an der sie ihn zu sehen glaubte.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   31.07.11 12:26

Es war Heiligabend und er war allein unterwegs. Super. Eigentlich hatte er diesen Abend und den darauf folgenden Weihnachtsfeiertag gerne mit Chloé verbracht, doch diese war für die Feierlichkeiten im Schloss eingeteilt worden, freute sich anscheinend auch, weshalb Daniel dann doch gar nicht erst gefragt hatte. Er hätte auch zu seiner Familie gehen können, doch er konnte auf Beziehungsratschläge seiner Verwandten sehr gut verzichten ... Beziehung. Waren er und die Ravenclaw-Lehrerin nun ein Paar? Der junge Mann wusste es nicht so genau, sie trafen sich oft, hatten sogar ein paar Mal miteinander geschlafen, aber dennoch machte es auf ihn nicht den Eindruck ... Keiner von ihnen beiden hatte je gefragt, auch wenn Daniel dafür nicht der Typ war konnte man die Beiden wohl ehr als Affäre oder Freundschaft-plus bezeichnen.
Er kam gerade von dem Postamt wieder, welches auf Grund des Andranges auch noch an diesem Tag geöffnet hatte. Aber dennoch war er der Letzte gewesen, der noch schnell vor Ladenschluss die letzten Pakete verschickt hatte. Der Heiler hatte alle abgeschickt bekommen, die er wollte, denn das Geschenk für Chloé hatte er auf seinem Schreibtisch Zuhause liegen gelassen aus Frust. Es waren ein paar silberne Ohrringe mit Perlenanhängern und hatten ihn ein kleines Vermögen gekostet, es war mit Abstand das teuerste gewesen, was er seit Jahren gekauft hatte. Und nun lagen sie fertig eingepackt aber unverschickt auf dem dunklen polierten Holz. Wieso gab er auch soviel Geld aus für eine Frau, die anscheinend lieber auf nervige Teenager aufpasste als Zeit mit ihm zu verbringen?
Mit einem Seufzen ging er weiter und vergrub die Hände in den Taschen seines grauen Mantels. Vielleicht hatt ja doch noch ein Café für einen wie ihn auf. Dann fiel sein Blick auf eine eindeutig weibliche Gestalt vor ihm. Es war Nora. Sie hatten sich in einem Café kennen gelernt obwoho er schwören könnte, dass er sie schon einmal im St. Mungo gesehen hatte. Er setzte ein freundliches Lächeln auf, denn in der Tat freue er sich sie zu sehn - er war nich der Typ für Selbstmitleid.
"Guten Abend, Nora", begrüsste Daniel sie, noch immer warm lächelnd, da sie ihn sich direkt besser fühlen ließ: "Heiligabend noch so spät alleine unterwegs? Keine Verabredung oder so?"
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   31.07.11 22:54

Tatsächlich hatte sich Nora nicht geirrt, es war Daniel! Der freundliche, junge Mann, den sie damals in jenem Café kennengelernt hatte. Auch meinte sie ihm während ihrer Studiumszeit im St. Mungo Hospital ein paar Mal über den Weg gelaufen zu sein. Schon damals war sie seinem Charme verfallen gewesen, hatte ihn allerdings zu selten und zu flüchtig gesehen, als dass sie sich weitere Gedanken um ihn hätte machen können.

Als dieser sie nun freundlich begrüßte, spürte die junge Frau augenblicklich wie ihr beim Klang seiner angenehmen Stimme die Röte ins Gesicht stieg.
„Guten Abend, Daniel. Schön, dich zu sehen“, erwiderte sie und lächelte ihn ebenso warm, wenn auch etwas schüchtern an.
Es war ihr bislang noch nie passiert... Bislang. Doch seit Nora jenen Mann kannte und ihm begegnete, war sie stets wie ausgewechselt. Sie fühlte sich, als würde sie in seiner Gegenwart permanent unter Strom stehen, lief viel zu oft rot an und vergaß manchmal sogar, was sie sagen wollte – von ihrem sonst so dominierendem Verstand fehlte in jenen Augenblicken also nicht selten jede Spur. Es war zum Verrücktwerden.

„Aber da scheine ich nicht die einzige zu sein?“, erwiderte sie auf seine erste Frage und bemerkte erst jetzt, dass Chloé nicht zugegen war. Chloé... Nora wusste nicht so recht, was sie von der Älteren halten sollte. Vielleicht wären sie gut miteinander ausgekommen, wenn sie sich nicht für ein und denselben Mann interessieren würden.

Schließlich riss seine nächste Frage sie aus ihren Gedanken.
„Nicht, dass ich wüsste. Höchstens eine zufällige“, antwortete Nora lächelnd und spielte dabei ein wenig auf die gegenwärtige Situation an.
„Was führt dich noch zu dieser Stunde nach draußen? Feierst du nicht mit Chloé?“
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   01.08.11 14:45

Daniel lächelte auf ihre Anspielung hin etwas breiter und musste sich eingestehen, dass er es auch schön fand sie zu sehen, sogar sehr, alleine Heiligabend wäre wirklich armselig gewesen, Begleitung war immer schöner, vor allem war Nora eine wirklich angenehme Persönlichkeit. Sie war jünger als er selbst, auch wenn er um ehrlich zu sein nicht wusste wie viel, sie wirkte immer fröhlich und unbeschwert wenn er sie sah, sodass sie zwar doch ziemlich gut und erwachsen aussah - natürlich entging ihm so etwas nicht - aber über einen jugendlichen Charme verfügte - was ihn unbewusst an Chloé erinnerte. 
Als ob die Erinnerung nicht in seinen Gedanken gereicht hätte, erwähnte sie auch noch den Namen von Daniels "Freundin". Er seufzte leise und seine Augenbrauen zogen sich leicht zusammen und bildeten zwischen sich eine Art Sorgenfalte. "Nein sie müssen im Schloss schon Vorbereitung für das morgige Weihnachtsfest treffen und wie es aussieht, hat sie sich nicht unfreiwillig dafür verpflichten lassen und morgen dort mithelfen muss", erklärte er ihr zwar freundlich ihr gegenüber, aber seine Enttäuschung klang unterschwellig mit. Wieso sollte der junge Heiler auch ein Geheimnis daraus machen? Wäre nicht jeder Mann in seiner Situation genervt oder desillusioniert? Ja, er hatte gedacht, dass Weihnachten eine gute Gelegenheit für einen Art "Beziehungsstart" gewesen wäre, aber das ging ja jetzt wohl schlecht. 
Doch er wollte nicht weiter darüber nachdenken. Verdammt! Er hatte für Nora gar nicht zum Fest oder? Doch. Gott sei Dank! Ihm fiel ein, dass er auch gerade ein Geschenk an sie von der Post aus losgeschickt hatte. Es war ein Kochbuch, zusammen mit ein wenig Schokolade und Plätzchen, die er zusammen mit seiner kleinen Schwester gebacken hatte. Normalerweise bekamen so etwas nur Familie und engste Freunde, aber da er wusste, dass Nora sich über dies freuen würde, hatte er eine kleine Schachtel mitgeschickt. "Wenn ich gewusst hätte, dass ich dich noch sehe, dann hätte ich dein Geschenk gar nicht abzuschicken brauen - komme nämlich gerade von dem Postamt", sagte er nun wieder mit geglätteter Stirn und schenkte ihr ein Lächeln. Dann fuhr er fort: "Wenn wir jetzt schon einmal zu zweit sind, meinst du nicht wir sollten irgendetwas zusammen machen?", sein Vorschlag war freundlich und auf jeden Fall besser als über Chloé zu sprechen!
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   02.08.11 0:38

Als Daniel auf Noras Nachfrage bezüglich Chloé leise seufzte und dann auch noch besorgt die Augenbrauen zusammenzog, stieg augenblicklich das Bedürfnis in ihr auf, ihn zu trösten – oder zumindest davon abzulenken, worauf sie gerade seine Aufmerksamkeit gezogen hatte. Warum musste die junge Frau auch ausgerechnet jenes Thema ansprechen? Eigentlich ging es sie nicht wirklich etwas an und außerdem war es mehr als offensichtlich, dass Dan jenes Thema weniger angenehm war.
„Oh, das tut mir leid“, meinte Nora ehrlich auf seine Worte und klang, ohne es verhindern zu können, selbst ein wenig traurig. Tatsächlich fand sie es das auch, da Weihnachten ja ein Fest war, das man im Familienkreis und nicht alleine verbrachte. Dass er ebenso dachte, daran bestanden für die junge Frau keinerlei Zweifel, denn seine Enttäuschung war ihr nicht entgangen und ging ihr doch nahe. Während sie darüber nachdachte, wurde sie abermals von dem Bedürfnis übermannt, ihn von seinen Sorgen abzulenken.

„Na ja, sieh es von der positiven Seite. So bist du mir begegnet, auch wenn ich selbstverständlich kein würdiger Ersatz bin – aber ich denke, wir beide einsame Seelen können uns dennoch einen netten Abend machen“, meinte Nora und lächelte ihn fröhlich an. Für sie selbst war ihr zufälliges Zusammentreffen wahrlich ein glücklicher Zufall gewesen. Ihr hatte bereits davor gegraut, die ganzen Feiertage einsam in ihrer Wohnung zu fristen. So würde wenigstens Heiligabend schön werden und sollten die folgenden Tage weniger angenehm werden, hatte sie wenigstens etwas Schönes, an das sie sich zurückerinnern konnte.

„Ein Geschenk?“, wiederholte Nora seine Worte und spürte, wie sie schon wieder rot würde. „Das ist wirklich lieb von dir, wäre doch aber nicht nötig gewesen“, fügte sie leise und etwas betreten hinzu, konnte das Lächeln, das in ein regelrechtes Strahlen überging, jedoch nicht unterdrücken.
Es erfüllte sie mit tiefster Freude, dass er an sie gedacht hatte, obwohl nicht mehr als eine Bekanntschaft die beiden verband – weswegen sie es nicht erwartet hatte. Dennoch hatte sie selbst ebenso ein Geschenk an ihn per Post geschickt, allerdings bereits vor einigen Tagen, damit es bei dem regen Weihnachtspostverkehr auch pünktlich zu den Feiertagen ankam.

„Dankeschön.“ Verlegen blickte sie an und wusste nicht so recht, was sie sagen sollte.
Als er ihr dieses Problem abnahm und vorschlug, dass sie ja gemeinsam etwas unternehmen konnten, war Nora Dan mehr als nur dankbar dafür.
„Fantastische Idee! Und was genau sollen wir machen? Mit Cafés könnte es allerdings etwas schwierig werden“, erwiderte die junge Frau begeistert und hoffte, dass ihm entging, wie sie ihn wie ein verliebtes Lamm anstarrte.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   02.08.11 9:52

Ja, ihm tat es auch leid. Er zuckte mit den Schultern. Um ehrlich zu sein war ihm noch nie etwas Vergleichbares mit einer Frau passiert, da war Chloé Nummer eins. Vielleicht lag es auch daran, dass er nie wirklich viele Freundinnen gehabt hatte, er war eher der treue Typ Mann, doch hatte er sich anscheinend diesmal eine Frau ausgesucht, die irgdwie eine andere Auffassung von Beziehung hatte als er - denn wirklich zusammen waren sie nicht, was Daniel schon irgendwie komisch fand und ihn auch ein wenig verletzte - aber das mit Weihnachten und auch Heiligabend hatten es ihm wieder deutlich vor Augen geführt. Doch er wollte nicht weiter drüber nachdenken.
"Genau, immer schön positiv denken", pflichtete er ihr bei: "Immerhin sind wir Bude jetzt nich mehr alleine." Dans Lächeln war sanft, leicht betrübt aber dennoch freundlich. Eigentlich war er ja auch ein positiv denkender Mensch, der lieber ruhig an eine Sache heranging als übereilt Rückschlüsse zu ziehen. Auch wenn Chloé das hin und wieder schaffte diese Eigenschaft von ihm anzustellen. Sie brachte wirklich einiges in einem Leben durcheinander ... Der junge Mann strich sich durch das dunkle Haar und sah nun wieder aus dn Gedanken gerissen, bewusst zu Nora.
"Ich finde schon, dass das nötig war, ich hoffe nur, dass bei dem Schnee es auch recht zeitig ankommt", meinte er dann nur abwinkend als sie auf das Geschenk zu sprechen kamen. Daniel verschenkte gerne, er liebte es zu sehen wie er anderen mit kleinsten Gesten eine Freude bereiten konnte. So auch Nora.
Natürlich bemerkte er ihre Blicke nicht, bzw konnte sie nicht richtig deuten. Für ihn war es ein normaler fröhlicher Blick. "Café ... Stimmt, mit sojemanden wie wir rechnen die gar nicht", stimmte er ihr leicht lachend zu, schon eine seltsame Situation. "Also wenn dir nicht mehr einfällt, lass uns zu mir nach Hause gehen, ist nicht weit von hier weg, also Spaziergang inklusive." Daniel zwinkerte ihr zu. Natürlich ohne böse Hintergedanken, für ihm war nichts dabei mit ihr alleine in seine Wohnung zu gehen. Wieso auch? Von ihr aus etwa?
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   02.08.11 23:29

Nora lächelte erfreut, als Dan auf ihren Ablenkungsversuch einging. Zwar haftete seinem darauffolgenden Lächeln immer noch etwas leicht Betrübtes an, doch sie würde alles dransetzen, ihn zumindest heute Abend mit ihrer enthusiastischer Laune anzustecken. Es war ein viel zu schöner Abend, um ihn im Trübsal schwelgend zu verschwenden.

„Dankeschön“, wiederholte sie, diesmal noch leiser als zuvor, als Dan auf das Geschenk zu sprechen kam. Noch während sie sprach, spürte sie, wie ihre Wangen glühten. Verlegen senkte sie den Blick und begann, mit einem Fuß wahllose Spuren und Muster in den Schnee zu malen. Dies brachte sie etwas zur Ruhe. Mensch, was war sie doch nur für ein Nervenbündel! Sonst stellte sie sich doch auch nicht so an.... nun, sonst war sie ja auch nicht in Begleitung eines solch gutaussehenden, charmanten und freundlichen Mannes!

Als Dan erneut zu reden ansetzte, hob Nora den Blick, um nicht unhöflich zu wirken, doch bereute es sogleich. Nun glaubte sie, dass sogar ihre Ohren warm wurden. Wo sollte das denn nur hinführen? Sie nahm die Farbe einer Tomate und die Konsistenz eines Wackelpuddings an, sobald sie ihn nur ansah!
„Ja, stimmt“, erwiderte die junge Frau schließlich und stimmte herzhaft in sein Lachen ein. Was für ein verrückter Moment... verrückt, aber wunderschön. Es war ein tolles Gefühl, sich so unbeschwert mit Daniel zu unterhalten... es erschien ihr beinah, als wäre er ein Freund, den sie nach vielen, vielen Jahren wiedersah... nun, wie gesagt, ein verrückter Moment.

„Wenn es dir keine Umstände bereitet, gerne“, meinte Nora auf seinen Vorschlag hin, zu ihm nach Hause zu gehen und dabei einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Spaziergang... bei Nacht, nur sie beide und der Mond über ihnen, der die Welt scheinbar nur für sie zwei in ein funkelndes Lichter- und Farbenspiel verwandelte.
Wie romantisch, dachte die junge Frau unwillkürlich und hätte beinahe leise aufgeseufzt. Doch das Seufzen blieb ihr im Hals stecken, als sie einen Schritt machte, ihre Stiefel auf einen glatten Untergrund trafen, darauf selbstverständlich keinen Halt fanden – und Nora schwungvoll ausrutschte.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   03.08.11 11:25

Daniel strich sich durch die dunklen Haare. "Nein, natürlich nicht, sonst hätte ich das nicht angeboten", beruhigte er sie mit einem Lächeln. In der Tat war alles in seinem Haus weihnachtlich eingerichtet - mit geschmückten  Weihnachtsbaum, selbst gebackene Plätzchen in Dosen auf Tischen,  Lichterketten außen und innen am Haus und der Duft von Plätzchen, Zimt und Orangen lag in der Luft. Dies alles war nicht zuletzt in der Erwartung entstanden, dass Chloé zumindest einen Teil der Weihnachtsfeiertage bei ihm verbringen würde. Also war es doch auch für Nora und ihn zusammen nett und es wäre zumindest etwas weihnachtlich ... Auch wenn die junge Frau nicht wirklich die erhoffte Begleitung war, war sie dann doch ein ehrenwerter Ersatz.
Gerade wollte er ihr den einen Schritt folgen, da hörte er auch schon das ungute Geräusch von knackendem Eis unter ihren Stiefeln. Sofort ging er einen Schritt vorwärts um ihr zu helfen, doch kaum hatte Daniel die junge Frau am Arm festhalten wollen, da merkte er wie es auch ihn von den Füßen zog. Etwas unsanft kam er auf dem verschneiten Boden auf - Gott sei Dank nicht auf einem vereisten Untergrund. Der Heiler spürte nach dem Aufprall auch schon wie sich ein Gewicht auf ihn mehr oder weniger legte, wohl eher landete Nora auf ihm. 
Einen Moment blieben sie beide so still liegen, Dan blinzelte etwas irritiert, doch dann begann er zu lachen. "Oh Mann", sagte er schließlich. Irgendwie erinnerte ihn die Situation an seine Teenagerjahre, Daniel war wirklich schon seit Jahren nicht mehr im Schnee ausgerutscht! Nora hingegen schien manchmal ein Pechvogel zu sein, oder nicht? Vielleicht lag es daran, dass sie noch jünger war als er selbst, aber so groß war der Altersunterschied nun auch wieder nicht ... Zwar hatte er sich nicht verletzt, aber dennoch machte er keine Anstalten sich zu erheben oder zumindest die junge Frau von ihm runter zu bringen. Stattdessen blieb er dort liegen und genoss den Moment - es war ein lustiger Moment, der nun endgültig die Gedanken an seine geplatzte Verabredung mit Chloé verdrängte. Nora hatte es so doch irgendwie geschafft ihm gute Laune zu verschaffen. 
"Alles in Ordnung?" fragte er dann doch etwas besorgt nach, nur weil er sich nichts getan hatte, musste das ja nicht automatisch auch für sie gelten. Er hätte sich das nicht verziehen, wenn sie sich etwas getan hätte und er nicht nachgefragt hätte - nicht umsonst war er Heilet geworden. Helfen und sich um jemanden kümmern war ihm wichtig.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   03.08.11 20:02

Nora erwiderte sein Lächeln, als er sprach. Irgendwie freute sie sich bereits ein wenig, mit in Daniels Haus gehen zu dürfen, da sie dort gewiss von einer wohligen Wärme empfangen werden würden. Denn so schön jener Abend und sein weihnachtlicher Zauber, der ihm innewohnte, auch sein mochten und so ungern es sich die junge Frau auch eingestand, so ermächtigte sich ihrer Glieder doch allmählich die Kälte. Außerdem war sie auch ein wenig gespannt darauf, was sie dort erwarten würde, denn sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, wie Dan wohl so lebte.

Als sie hinfiel, registrierte sie dies noch nicht einmal, da es so überraschend kam. Dafür nahm sie aber verwundert eine Hand wahr, die nach ihrem Arm greifen wollte – diesen allerdings verfehlte.
Schließlich landete Nora auf dem Boden, der sich erstaunlich weich und warm anfühlte. Eine frische und dicke Schicht Schnee war weich... aber warm? Oh nein. Mit wachsendem Entsetzen verstand die junge Frau schlagartig, was soeben geschehen war.

Doch als ein fröhliches Lachen die drückende Stille durchbrach, entspannte sich die junge Frau augenblicklich und stimmte leicht kopfschüttelnd in sein Lachen ein. Das letzte Mal, als sie auf Glatteis ausgerutscht war, hatte sie mit Josh vor ihrem Haus Fange gespielt. Auch damals hatte sie eine weiche Landung gehabt... die sich anschließend aber über sie und ihr Gewicht etwas beschwert hatte.
Aber dass ihr so etwas noch einmal passieren würde, hätte sie wirklich nicht gedacht.
Dafür war es diesmal aber zumindest lustig, da es so vollkommen unpassend war... wobei angesichts der ganzen verrückten Momente, die sie heute Abend bereits durchlebt hatte – da fiel dieser eine auch nicht mehr ins Gewicht und fügte sich hervorragend ins Gesamtbild ein.

„Oh man“, stimmte Nora Dan immer noch lachend zu. Dass auch er sich an der Situation nicht zu stören schien, war wahrlich ein Segen. Sie wollte sich noch nicht einmal ausmalen, wie es gewesen wäre, wäre er erzürnt wegen alledem gewesen. Allerdings hätte das auch nicht in das Bild gepasst, das die junge Frau von ihm hatte. Sie kannte Dan immerhin als die Ruhe in Person.

„Wenn man davon absieht, dass ich mich gerade angestellt habe wie der letzte Mensch auf Erden und einen anderen beinahe zu Brei verarbeitet habe, ja“, erwiderte Nora immer noch beschwingt auf seine Frage, ob alles in Ordnung sei.
Doch dann verebbte ihre Euphorie allmählich wieder und machte der Sorge Platz. Zwar ging es ihr gut und hatte er auch gelacht, aber es kam nicht selten vor, dass der Schmerz – zunächst meist betäubt vom Schock – erst später einsetzte. Wenn ihm ihretwegen etwas zugestoßen war...
„Bei dir auch?“, erkundigte sie sich.

Um ihn nicht noch länger zu belasten, erhob sich Nora schnell, achtete diesmal aber genau darauf, wo sie ihre Füße hinsetzte und reichte ihm die Hand, um ihm aufzuhelfen.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   03.08.11 20:46

"Ach, das kann doch jedem passieren", beruhigte er sie und lachte erneut leise: "Ja, mir geht's wirklich gut, war ja nur ein Persönchen wie du ..." In der Tat war es eine Art Kompliment, immerhin machte ihr Gewicht ihm nichts aus. Er fand sie sogar ziemlich leicht. Sie brauchte sich also keine Sorgen zu machen. Daniel war mit zwei kleinen Geschwistern noch ganz anderes gewohnt! Wenn etwas passiert wäre, dann hätte er bestimmt nicht gelacht. Doch immerhin hatte er ja auch noch einmal sicherheitshalber nachgefragt. Sie mussten beide lachen und das tat gut. Seine Laune war schlagartig - beinahe wörtlich - wieder gut und es freute ihn, dass es ihr nicht peinlich war. Sonst wäre das eine noch konkavere Situation gewesen.
Er sah zu wie sie wieder aufstand und lächelte noch immer. Als sie ihm die Hand hilfsbereit entgegen streckte überlegte er eine Sekunde, nahm sie dann aber, stand allerdings dennoch größtenteils aus eigener Kraft auf - er wollte sie ja nicht wieder zum Stürzen bringen. Das wäre nun wirklich dumm gewesen ... Sobald Daniel stand zupfte er sich seinen Mantel und Schal zurecht und klopfte sich den Schnee von seinem Rücken. Nachdem er dies abgeschlossen hatte sah er wieder zu der jungen Frau hoch. "Sollen wir jetzt?" fragte Dan eher aus Höflichkeit und lächelte ihr bewusst zu.
Dann begann er vorsichtiger auf seine Schritte und den Boden zu achten. Nach ein paar Metern erreichten sie schließlich ein schneereiche Passage, sodass keine Ausrutschgefahr mehr drohte. Der junge Mann sah Nora schließlich wieder ins Gesicht. "Wie alt bist du eigentlich? Gleichzeitig mit dir auf Hogwarts war ich aber nicht, oder verwechsel ich da irgendetwas?" stellte er nun die Frage, welche ihn bereits an diesem Abend zuvor durch den Kopf geschossen war, es interessierte ihn wirklich, zunächst einmal, weil er sie nicht einschätzen konnte und auch wollte er sich sicher sein, dass sie für ihn ein gewisses Alter hatte - nichts gegen jüngere, aber er wollte sie ja nicht zu irgendetwas für sie Unerlaubtem anstiften! Das wäre ja was!
Chloé hatte er in diesem Moment wirklich vollkommen vergessen, das hier und jetzt hatte ihn ein, nur dies zählte und das war nun einmal die hübsche junge Frau vor ihm - Nora.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   04.08.11 0:14

„Persönchen“, wiederholte Nora und lachte amüsiert auf. Schon allein deshalb, weil das eine äußert interessante Wortkreation war und zum anderen, weil bereits einige andere Personen aus ihrem Bekanntschafts- und Freundschaftskreis da eine etwas andere Meinung vertraten.
Wobei sie sich das nicht sonderlich zu Herzen nahm – schon allein deshalb, weil die meisten jener Bemerkungen im Spaß gefallen waren und sie daraufhin, ebenso im Spaß, erwidert hatte, dass – solange sie noch durch gewöhnliche Türen kam, ohne seitlich durch sie hindurch gehen zu müssen – für die junge Frau noch alles im Rahmen war.

Dennoch sah sie seine Worte auch ein wenig als Kompliment und spürte dabei, wie ihr prompt schon wieder richtig warm wurde.

Als er ihre Hand umfasste, war sie jedoch schlagartig wieder mit ihrer Aufmerksamkeit und ihren Gedanken präsent und half ihm auf. Zwar war dies wohl wirklich nur symbolisch, da Dan so ziemlich aus eigener Kraft aufstand, doch es war ein tolles Gefühl, seine warme Hand in der ihrigen zu fühlen. Außerdem wehte ihr der Duft seines Aftershaves entgegen, als er sich erhob. Nora sog jenen wundervollen Geruch tief ein und hoffte, dass davon vielleicht etwas an ihrem Mantel haften geblieben war.

Seine Stimme riss sie jedoch wieder aus ihrer Schwärmerei.
„Gerne!“, erwiderte die junge Frau lächelnd auf seine Frage und ging mit ihm die Gasse entlang, deren Boden zunehmend von Schnee anstelle von Eis bedeckt war – zu Noras Erleichterung. Eine peinliche Darbietung reichte ihr für diesen Abend.

Während sie so dahingingen, breitete sich eine Stille zwischen ihnen aus, die der jungen Frau ein wenig missfiel.
Dan schien es wohl ähnlich zu ergehen, denn er durchbrach das Schweigen mit einer Frage, die Nora etwas überraschte.

„Gerade im Moment gefühlte 12 Jahre, ansonsten aber 20 Jahre“, antwortete sie auf seine erste Frage mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen.
„Nein, ich glaube, wir waren nicht zusammen auf Hogwarts. Da wir ja im gleichen Haus waren, wenn mich nicht alles täuscht, wärst du mir bestimmt aufgefallen.“ So eine wundervolle Person kann man gar nicht übersehen, dachte sie und seufzte leise.
„Wie alt bist du denn?“ Wenn sie schon mal dabei waren, durfte Nora doch wohl auch ein wenig neugierig sein.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   04.08.11 12:22

Zwangzig? Sie war wirklich erst zwanzig? Verdutzt sah er sie an - er wusste selbst nicht, was genau er erwartet hatte. Dennoch Daniel hätte sie auf älter geschätzt, auch wenn er sie nur schwer schätzen konnte. Nora war wirklich so viel jünger als er selbst? Er schüttelte ungläubig lächelnd den Kopf. "Verdammt, jetzt fühle ich mich echt alt. Ich bin schon achtundzwanzig ... Du bist ja fast noch ein Kind", gab er beinahe vorwurfsvoll zu und strich sich leicht verlegen durch die Haare: "Ja, dann waren wir nicht zusammen in der Schule. Ravenclaw waren wir aber beide." Acht Jahre. Er musterte die junge Frau neben ihm noch einmal genau: Die Schokoladenfarbenen Haare, die dazu passenden Augen, immer ein freundliches Lächeln auf den sanft geschwungenen Lippen und ihr zierliche Figur. Sie war wirklich hübsch, stellte er fest. Aber sie sah gar nicht so jung aus, sah er dann als Rückfolgerung so alt aus? Nein. Er war noch nicht einmal dreißig! Noch nicht. Zwei Jahre noch. Vielleicht wäre Familienplanung jetzt angebracht, aber wie sollte das etwas werden, wenn er keine Frau beziehungsweise Freundin hatte, die mitspielte? Er konnte sich - abgesehen von der immmoment herrschenden Situation - Chloé schlecht als Mutter vorstellen, sie hatte das bestimmt nicht geplant ... Die Sorgenfalte entstand wärend des Nachdenkens über sein Alter, glättete sich dann aber wieder als er die Gedanken verdängte. Darüber musste er sich ja nicht ausgerechnet jetzt den Kopf zerbrechen.
Stattdessen sah er sie Straßen und Gassen des kleines Dorfes lächelnd an. Über all waren Bogen mit Mistelzweigen aufgestellt, jede Haustür war mit einem Kranz geschmückt, Lichterketten Leuchtern einem entgegnen und in den Häusern konnte man Kerzen und geschmückte Tannenbäume erahnen. Zusammen mit dem Schnee sah es einfach perfekt zur Jahreszeit aus. "Dieses Jahr haben sich alle mal wieder richtig Mühe gegeben. Es ist alles so wunderschön hier", erhob er das Wort, ließ seinen Blick schweifen und sah bei den letzten Worten wieder zu der jungen Frau mit einem sanftem Lächeln. Wieso sollte man sich auch an solch einem Tag Gedanken machen? Er sollte aufhören so viel unnützes Zeug zu denken! Wirklich, er sollte sich lieber auf wichtigere Dinge konzentrieren. Zum Beispiel war in diesem Moment Nora wesentlich wichtiger!


Zuletzt von Daniel Washington am 04.08.11 12:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   04.08.11 20:39

Als Dan Nora recht verdutzt anstarrte, vertiefte sich ihr Grinsen. Vermutlich hatte er sie wesentlich jünger geschätzt... sie konnte es ihm ja noch nicht einmal verübeln, so infantil, wie sie sich heute Abend zum Teil bereits angestellt hatte.
Als er dann auch noch mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck den Kopf schüttelte, sah Nora ihre Vermutung bestätigt. Gerade wollte sie ihn belustigt darauf ansprechen, als er unvermittelt das Wort ergriff.

„Nein, das stimmt nicht ganz. Ich bin ein Kind“, korrigierte sie ihre Begleitung schmunzelnd. Der etwas vorwurfsvolle Unterton in seinen Worten irritierte die junge Frau ein wenig, doch alsbald wurde jener Gedanke von einem anderen verdrängt. 28 Jahre. Er war 28? Nora hätte Dan höchstens auf 25 geschätzt, wenn überhaupt. Seine eisblauen Augen sprühten regelrecht vor Lebensfreude und verliehen ihm zusammen mit seinem frischen Haarschnitt etwas geradezu Jugendliches. Nicht, dass sie fand, dass Dan wie ein Teenager aussah, nein, dem war nicht so. Aber Nora fand, dass er nicht gerade aussah wie jemand, der mit strammen Schritten auf die 30 zuging.
Es überraschte die junge Frau etwas, ansonsten störte sie sich aber nicht daran. Was waren denn schon acht Jahre?!

Dass er da wohl etwas anders als sie dachte, entnahm Nora seinem Gesichtsausdruck. Auf seiner Stirn zeichnete sich eine düstere Sorgenfalte ab, die der jungen Frau ganz und gar nicht gefiel. War sie ihm zu jung? Empfand er sie als zu kindisch? Glaubte er etwa durch den Altersunterschied ihrer Gesellschaft schnell überdrüssig zu werden? Nur weil sie mit so ziemlich allen Menschen – vollkommen gleichgültig welchen Alters – klarkam, musste das ja längst nicht heißen, dass das bei Dan ebenso der Fall war.
Andererseits konnte sich Nora ihn auch nicht als jemanden vorstellen, der die Gesellschaft eines anderen ausschlug, lediglich aufgrund einer nicht direkt zum Tragen kommender Nebensächlichkeit wie dem Alter... oder hatte sie sich etwa so sehr in ihm getäuscht?

Um sich abzulenken, versuchte Nora die Situation etwas aufzulockern.
„Diese Sorgenfalte steht dir nicht“, meinte sie sanft lächelnd.

Als auch Dan sein Bestes tat für ein Ablenkungsmanöver, ging die junge Frau dankbar darauf ein und folgte seinem Blick. Ohne es verhindern zu können, entrang sich ihr ein leises, verträumtes Seufzen. Die Häuser sahen zusammen mit der Winterlandschaft, in der sie liebevoll eingebettet waren, geradezu verzaubert aus. Wo man auch hin sah – über allem schien ein weihnachtlicher Hauch zu liegen, der einen mit einer feierlichen Wärme erfüllte.
Als ihr Blick auf einen Mistelzweig fiel, der über einer Eingangstür angebracht worden war, seufzte Nora abermals und stellte sich vor, wie es wohl wäre, wenn sie nun mit Dan dort stehen würde... wie sich seine Lippen immer mehr den ihrigen näherten... wie sie seinen warmen Atemhauch auf ihrem Gesicht spüren würde... wie sich eine angenehme Gänsehaut zusammen mit einem unbeschreiblichen Gefühl in ihr ausbreiten würde... und wie sich seine weichen Lippen sanft auf die ihrigen legten.

Nora errötete und öffnete schlagartig die Augen. Sie hatte noch nicht einmal bemerkt, wie sie bei jener kleinen Träumerei die Augen geschlossen hatte.
Sie musterte Dan, um sich zu vergewissern, dass er nichts von alledem bemerkt hatte und erinnerte sich allmählich wieder daran, wo sie stehen geblieben waren.

„Es ist wirklich traumhaft“, stimmte Nora dem jungen Mann nach einer kleinen Weile zu.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   04.08.11 22:00

Ein Kind. Als sie das scherzhaft bestätigte, fand er das leider nicht so lustig und seufzte. Es hätte ihm nichts ausgemacht, wenn er sie nicht irgendwie älter geschätzt hätte.
Er lächelte als Nora seine Sorgenfalte erwähnte.  "Es ist ja nur, dass ich nie im Leben gedacht hätte, dass du erst zwanzig bist! Ich mein, du siehst doch nicht acht Jahre jünger aus als ich, oder?" gab Daniel zu und strich sich abermals durch die dunklen Haare. 
Wenigstens beruflich hatte er einiges erreicht, er war mittlerweile stellvertretender Leiter der Station im St. Mungo auf der er arbeitete, wenn er Glück hatte, dann konnte er sogar in absehbarer Zeit Leiter werden. Ein Traum würde in Erfüllung gehen. Sie hingegen war wirklich noch ein Kind ... Machte sich wahrscheinlich nicht einmal Sorgen um ihr Leben. Familie und Karriere waren da bestimmt noch nicht eingeplant. 
Ruhig ging der - in seinen Augen - doch nicht so junge Mann weiter und musste schließlich über sein eigenes Verhalten lachen. Wieso war das so schlimm für ihn, dass acht Jahre zwischen ihnen standen? Das war einfach nur lächerlich wie er sich benahm! Dan lächelte sie warm an. "Solange man nicht denkt, dass ich in meinen Dreißigern bin, ist alles in Ordnung und du darfst gerne trotzdem 'du' sagen", scherzte er und zwinkerte ihr zu. Es war zwar nicht das Aussehen, das ihn auf Grund des Alters fertig machte, aber das war ja nun auch egal. "Auch wenn du jünger bist, kann ich zumindest sagen, dass ich einen Job habe, den ich liebe und in dem ich auch gut bin", hängte er noch hinten dran. 
Ja, seine Laune war nun eindeutig besser als sie auch noch auf das Weihnachts-Ablenkungsmanöver einging. Daniel nahm wahr wie die junge Frau ihre Augen für einen Moment schloss und lächelte in sich hinein. Wahrscheinlich  dachte sie gerade an Weihnachten, Plätzchen und Geschenke. "Woran denkst du?" fragte er nun direkt als sie ihre Augen wieder geöffnet hatte - fragen war ja wohl erlaubt. Noch immer sah er sie freundlich an während sie zusammen weiter durch den Schnee spazierten. 
Kurz blieb er stehen, da sie durch das schließen der Augen etwas zurück geblieben war. Wieso war Dan auch stehen geblieben? Irritiert sah er über sich einen Mistelzweig an dem Torbogen hängen. Sollte das etwa lustig sein? Sein Blick fiel auf Nora, welche nun aufgeholt hatte, und versuchte zu bemerken, ob sie die Kuss-Aufforderung gesehen hatte. 
An sich fand er das immer lustig. Doch in diesem Moment machte er sein Handeln von ihr abhängig. Nur weil er gerne solche Traditionen hatte, hieß das ja noch lange nicht, dass die junge Frau auch so empfand - achja, da wäre noch etwas Erwähnenswertes: Sie war zwanzig! Kind oder schon Frau? Daniel wusste es nicht. Die Tatsache hatte ihn wirklich etwas aus dem Konzept gebracht, sollte er sie noch als Tennie oder schon als Frau behandeln?
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   06.08.11 22:50

Etwas irritiert hob Nora eine Augenbraue und blickte Dan fragend an. Was genau wollte er damit sagen? Erst 20 Jahre? Er klang ja beinah so, als wäre sie nicht 20, sondern zwei Jahre alt! Vielleicht hatte sie heute Abend mehr ihre kindliche Seite zur Geltung gebracht, aber das doch nur, weil es solch eine ausgelassene Situation gewesen war – also kein Grund für todernstes Erwachsenengehabe, das Nora jedoch ebenso gut beherrschte. Und zwar so gut, dass man ihr nicht selten sagte, dass sie ihrem Alter weit voraus war.
Die nächste Frage war auch nicht gerade besser. Wollte er damit sagen, dass sie alt aussah oder litt er an Komplexen und meinte, dass er selbst viel zu alt aussah? Warum machte er sich überhaupt solche Gedanken? Vor allem – warum gerade jetzt? Es war doch Heiligabend. Wenigstens der sollte in Noras Augen frei von Alltagssorgen bleiben.

Die junge Frau überging seine letzten Worte einfach und lief stumm neben ihm her. Dabei bemerkte sie, wie seine Schritte etwas unruhiger wurden.
Als plötzlich sein warmes Lachen in der Stille erklang und das eiskalte Schweigen brach, entspannte sich Nora wieder etwas.
Schließlich erwiderte sie sein Lächeln herzlich und neckte: „Sind Sie sich da auch ganz sicher, Mr. Washington?“

Seine nächsten Worten wischten ihr das Lächeln allerdings wieder aus dem Gesicht. Nun hob Nora vollkommen verwirrt beide Augenbrauen. Was sollte das denn schon wieder heißen?! Der Anfang klang ja schon mal nach Auch wenn du Grünschnabel das jetzt nicht wirklich verstehst... und der Rest nach einer Selbstverteidigung. Dabei hatte weder sie noch irgendjemand sonst ihn in irgendeiner Art und Weise angegriffen!
„Ich stand auch ganz kurz davor, einen Job zu haben, den ich lieben und in dem ich gut sein würde“, wisperte sie etwas betrübt. Sicher, sie hatte ihr Studium abgebrochen, weil es keinen Sinn mehr gemacht hatte. Jeder zweite ihrer Gedanken hatte Josh gegolten... wie sollte man sich da noch auf etwas konzentrieren. Merlin sei Dank hatte sie ihn nun auch gefunden... doch allmählich kehrte das Bedürfnis zurück, ihr Leben wieder etwas Sinnvollem zu widmen und ihr Studium fortzusetzen... Was sich nun allerdings ein wenig schwierig gestalten könnte.

Mit seiner nächsten Frage galt Noras Aufmerksamkeit wieder voll und ganz ihm.
Verdammt. Ihre kleine Träumerei war ihm also doch nicht entgangen. Nora spürte erneut, wie sie von einer weiteren Wärmewallung erfasst wurde.
Jaaa... woran dachte sie? Ach, ich habe gerade einfach mal daran gedacht, wie es wäre, dich zu küssen? Hervorragend. Spätestens nach diesem Satz würde sie ihn mehr als nur erfolgreich in die Flucht schlagen. Womöglich sogar auf ewig.

So schüttelte Nora nur den Kopf und meinte mit hoffentlich nicht zu übertriebenen verträumten Unterton: „An all das hier. Diese wundervolle Stimmung, verbreitet durch liebevoll geschmückte Häuser und Weihnachtsbäume, Gerüche nach Zimt und frischen Plätzchen und dieses unbeschreibliche Funkeln in den Augen der Liebsten, wenn man ihnen eine Kleinigkeit schenkt.“ Zumindest war es nicht gelogen. Es war zwar auch nicht die ganze Wahrheit, aber auch nicht gelogen. Zum einen mochte Nora es nicht sonderlich, zu lügen und zum anderen... ertappte man sie dabei sofort, weil sie eine äußerst schlechte Lügnerin war.

Urplötzlich war Dan stehen geblieben. Beinah wäre das Nora entgangen und wäre in ihn gestolpert. Doch zu ihrer Erleichterung blieb ihr eine weitere übermäßige Peinlichkeit heute Abend erspart, denn sie hatte sein Stehenbleiben gerade noch im letzten Moment bemerkt.
Verwundert suchte sie nach einem Grund für sein abruptes Innehalten und folgte seinem Blick. Nein. Das konnte doch nicht sein! Vielleicht sollte sie öfter ihren Träumereien nachgeben, wenn sie sich dann so schnell in Realität verwandelten. Denn an dem Torbogen über ihren Köpfen hing ein Mistelzweig... und sie beide standen genau darunter.
Nora senkte den Blick wieder etwas und traf dabei auf seinen. In seinen Zügen ließ sich keine Abneigung ausmachen – doch ebenso wenig Zustimmung. Wohl schien er auf sie und ihre Reaktion zu warten.
Nora lächelte Dan schüchtern an und meinte leise: „Ich schätze, das wäre dann wohl der Moment, in dem man sich küsst.“
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   06.08.11 23:49

"Oh mein Gott ich höre mich wirklich wie ein verbitterter alter Mann an, oder?" fragte er rein rhetorisch nach und lachte: "Es ist nur, dass ich eigentlich mal es hinbekommen müsste, also das mit der Familie und so - das sieht im Moment ja eher nicht so toll aus ..." Wieso erzählte Daniel Nora das? Es war einfach so unkontrolliert aus ihm heraus geplatzt, aber das war ja nun leider einfach nur die Wahrheit. Er strich sich beinahe verlegen durch die Haare. Seltsam. Einmal ausgesprochen war er einerseits erleichtert, aber andererseits hörte es sich vollkommen bescheuert an! "Hört sich nicht viel besser an, oder?" Ein schiefes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Nora war eben doch eine sehr angenehme Gesellschaft, denn nicht bei jedem hätte der Heiler einfach so gerade heraus von seinen Gefühlen, seinen Ängsten gesprochen. Ja, er hatte sie wirklich gerne. Sehr sogar - vielleicht war das auch einer der Gründe für seine Irritation über ihr Alter gewesen, er war überrascht gewesen, dass er mit einer solch jungen Person komplett - in allen Punkten - auf Augenhöhe sprach ...
"Es ist ja auch eine der, wenn nicht sogar, die schönste Zeit ihm Jahr Ich selbst schmücke total gerne und beschenke Freunde und Familie - also praktisch perfekt für sojemanden wie mich!" erklärte der junge Mann mit einem sanften Lächeln in ihre Richtung: "Der Duft nach Zimt und Tannennadeln ... Irgendwie ist das Kindheit, egal wie alt man ist oder alleine, man wird doch immer wieder von dem Zauber mitgerissen, nicht wahr? Man verzeiht, man gibt und lässt den egoistischen Menschen, für eine Zeit zumindest, hinter sich ... Ein Jahr ohne Weihnachten ist für mich gar nicht vorstellbar!"  Dan lachte leise und warm: "Klang ein wenig kitschig, oder? Aber es stimmt nun mal, zumindest für mich." 
Als sie nun beinahe in ihn reingelaufen wäre musste er wieder leicht lächeln. Sie war wirklich niedlich. Nicht niedlich wie scheiße oder unreif - nein - freundlich, süß und so ... "Fall nicht", ermahnte Daniel die junge Frau freundlich. Nun, da ihr Blick von dem Zweig über ihnen wieder zu ihm ging fühlte der junge Mann sich nun wirklich etwas um ein Wort verlegen, denn sie war eben kein Kind mehr. Außerdem war sie auch nett, schlau und hübsch ... Aber es war ja nur ein Mistelzweigkuss! Dennoch. Dankbar lächelte Dan, als sie das Wort ergriff. Die Stille war ihm schon beinahe unangenehm gewesen. "Na dann", begann er mit doch etwas gesenkter Stimme: "Sind wir ja einer Meinung ..." Vorsichtig hob er mit zwei Fingern ihr Kinn hoch, legte dann den Kopf leicht schief und schloss die Augen. Noch immer eher zaghaft berührten seine Lippen die ihren. Eine verrückte Szene. Immerhin kannten sie einander eher weniger und wenn nur freundschaftlich - er hatte irgendwie Chloé aber auch irgendwie nicht - sie war jünger als er, auch wenn das irgendwie gar keine Rolle
spielte - es fiel ihm einfach in diesem Moment ein, rauschte dem jungen Mann durch den Kopf - es war aber ja nur ein kleiner Kuss unter einem Mistelzweig. Nichts wirklich Besonders! Aber es war ja auch Heiligabend, da war sowieso alles anders ...
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   07.08.11 18:46

Seine Frage vertrieb letztlich den letzten Trübsinn aus Noras Gemüt und sie lachte befreit auf. Ja, in der Tat. Er hatte ein wenig verbittert geklungen, doch sie konnte seine Sorgen gut nachvollziehen.
„Alles braucht seine Zeit und Familienplanung erst recht“, versuchte sie ihm jene Sorgen etwas zu nehmen – oder zumindest vielleicht ein wenig erträglicher zu machen. „Außerdem lässt sich gerade das nicht lenken – also gibt es da nichts hinzubekommen. Lass es stattdessen auf dich zukommen, so unsinnig das vielleicht auch klingen mag.“ Nora lächelte Dan aufmunternd an und wünschte ihn von Herzen, dass sich jene Sorgen bald von selbst ausräumten und er endlich glücklich wurde... mit einer Familie. Mit Chloé?
Nora verdrängte bewusst jenen Gedanken und konzentrierte sich stattdessen wieder auf das Hier und Jetzt.

Sie lauschte seinen Worten und blickte ihn ein wenig schmachtend an, da er ihr mit jedem einzelnen Wort aus der Seele sprach. Sie liebte Weihnachten, gerade aufgrund der Punkte, die selbst – aber die auch er genannt hatte... und noch wegen vielem mehr, das sich schlichtweg nicht in Worte fassen ließ.
Schließlich schmunzelte Nora, als Dan meinte, das habe kitschig geklungen.
„Dann ist wohl meine gesamte Einstellung zum Fest der Liebe kitschig“, meinte sie und lächelte ihn vergnügt an. Nein, kitschig war das nicht. Höchstens vielleicht ein klein wenig verträumt – doch was war das Leben schon ohne kleine Träumereien?

Als Dan sie dann ermahnte, nicht hinzufallen, spürte Nora, wie sie aufs Neue rot anlief. Das schien heut Abend ja wirklich kein Ende mehr zu nehmen.
„Ich werde es versuchen“, gab sie lächelnd zurück. Andernfalls hatte sie ja eine weiche Landung... Deren Geduld sie aber nicht weiter als nötig strapazieren wollte.

Daraufhin blickte Dan ihr mit einem festen Blick in die Augen und hob sanft ihr Kinn an. Als sie seine warmen Finger auf ihrer Haut fühlte, machte ihr Herz regelrecht einen kleinen Hüpfer – und schlug mit doppelter Geschwindigkeit weiter. Es war, als wollte es dem jungen Mann sogleich mit vollem Enthusiasmus entgegenspringen.
Schließlich schloss Nora erwartungsvoll die Augen und spürte kaum einen Augenblick später seine weichen Lippen auf den ihrigen. Eine angenehm prickelnde Wärme, begleitet von dem intensivsten Glücksgefühl, das Nora je verspürt hatte, durchströmten ihren Körper und ihr Herzschlag schien für einen unscheinbaren Moment auszusetzen.
Es war ein wundervoller Augenblick... und zugleich ein ziemlich dummer. Waren sie beide denn nicht nur Bekannte im freundschaftlichen Sinne? Wenn ja... seit wann küssten Freunde sich?!

Doch irgendwie interessierte das Nora nicht sonderlich. Es erschien ihr sogar, als hätte sie den Gedanken von irgendjemand anderen gehört, der nichts mit ihr zu tun hatte.
Wie von selbst wanderte eine ihrer Hände in sein dunkles Haar und erkundete es mit vorsichtigen, doch neugierigen Fingern.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   08.08.11 12:37

"Danke für den Tipp", sagte Daniel nur auf ihren Beziehungs-Rat hin, musste aber dabei lächeln. Was war denn mit ihr? Hatte Nora eigentlich einen Freund? Wieso dachte er darüber nach ...? Hätte er es gewusst, wenn sie einen Freund hätte? Wahrscheinlich, dann wäre die junge Frau nicht alleine am Heiligabend unterwegs. Aber es wäre ja schon seltsam einen Ratschlag von einer jüngeren Person entgegen zu nehmen, die noch dazu single ist! Doch er sagte nichts weiter dazu. In diesem Moment war das ja nun auch ziemlich egal.

Warm lachte der junge Mann. Ja, er war in dieser Sache wohl auch ziemlich kitschig veranlagt. Immerhin hatte er das gerade bewiesen. Er liebte das Fest einfach ... Vielleicht gerade WEIL es kitschig war. Auch als Mann musste man manchmal eben auch kitschig sein. Ja, vielleicht war Daniel für einen Kerl zu emotional und glaubte noch an große Liebe, Familienleben und so weiter - was ja eindeutig nicht mehr jeder in diesen Zeiten hatte. Aber er schämte sich nicht wirklich dafür, gut manchmal ein wenig, aber meistens stand er dazu. Familienplanung war eines seiner Hauptziele im Leben. Beinahe wichtiger als der Job, doch das Thema harkte er für den Abend einfach mal ab. Wieso sollte er auch mit Nora über sein Privatleben erzählen - nachher beichtete er noch wie oft er mit Chloé schlief, oder was?

"Dann bin ich mal zuversichtlich, dass ich nicht wieder Kissen spielen muss", sagte Dan zwinkernd. Wäre ja auch zu dumm gewesen, wenn ihnen beiden das an einem Tag zweimal passieren würde ... Das wäre an Dummheit nicht zu überbieten. Aber irgendwie war es ja auch lustig gewesen und er war es gewohnt mit noch zwei jüngeren Geschwistern mal als Trampolin oder so benutzt zu werden. Seine kleine Schwester Cassandra war nur zwei Jahre jünger als Nora!

Als Daniel schließlich die Lippen von ihr spürte und fühlte wie diese sich an seine anschmiegten, hatte er vergessen, dass es sich nur um einen Mistelzweigkuss handelte. Als ihre Finger nach seinen dunklen Haaren griffen ließ er seine Finger wandern und blieb bei ihrer Taille stehen. Sanft zog er Nora näher an sich und vertiefte den Kuss, seine Zunge öffnete sanft ihren Mund mit dieser. Doch dann beendete er auch schon direkt den Kuss, drückte sie vorsichtig von sich weg und er selbst ging einen Schritt zurück, um möglichst viel Raum zwischen ihnen zu schaffen.
Was war das denn? Der junge Mann hatte nun wirklich einen Kloß im Hals. Ach du meine ... Er sah unsicher zu Nora und strich sich dann die dunklen Haare aus dem Gesicht. "Also ... ähm", begann er kurz und drehte sich weiter zum Gehen - es war ja nur ein Mistelzweig. Es waren nur noch ein paar Minuten bis zu seinem Haus.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   10.08.11 14:15

Als Dan meinte, er sei zuversichtlich, dass er nicht wieder Kissen spielen müsse, wurde Nora rot. Schon wieder. In seiner Gegenwart fühlte sie sich beinahe wieder so, wie in ihren schlimmsten Teenagerjahren. Ständiges Herzklopfen, Rotwerden und hin und wieder sogar hilfloses Gestammel.
Dabei erinnerte sich Nora gar nicht daran, dass Verliebtheit solche Auswirkungen hatte... zumindest hatte sie sich in Sams Nähe nie so gefühlt. Sam... Ein unscheinbarer Schmerz machte sich in der jungen Frau breit, als unwillkürlich Erinnerungen an ihr Auseinandergehen in ihrem Kopf zu neuer Intensität erwachten. Warum dachte sie ausgerechnet jetzt an ihn? Es war doch längst ein abgeschlossenes Kapitel für sie, auf dem herumzuhacken es sich nicht lohnte.

Schließlich konzentrierte sich Nora wieder auf das Hier und Jetzt und widmete ihre vollkommene Aufmerksamkeit Dan. Die lästigen Gedanken an die Vergangenheit schob sie dabei in die hinterste Ecke ihres Kopfes, in der Hoffnung, sie so endgültig vergessen zu können.
Das fiel ihr dann auch nicht allzu schwer, als sie seine Lippen auf den ihrigen spürte und der Kuss etwas fordernder wurde.
Sie spürte seine Zunge sanft, geradezu unschuldig an ihren Lippen und gewährte ihr nur zu willig Einlass. Gerade, als dieses neuartige Gefühl Nora zu überwältigen drohte, brach Dan den Kuss abrupt ab.
Irritiert öffnete Nora die Augen und bemerkte noch irritierter, dass sich Dan mit ein paar Schritten von ihr entfernt hatte. Da verflog plötzlich der letzte Rest des Zaubers, in den Dan sie gehüllt hatte.
Sie hatten sich geküsst. Sie waren eigentlich nur Freunde und Dann war in einer Beziehung... mehr oder weniger, aber er war in einer – mit Chloé.

Nora konnte nicht anders, als erneut zu erröten und schwach zu lächeln, um ihr Unbehagen einigermaßen zu überspielen. Ja, es war ihr unangenehm. Vor allem, da sie nun sah, in welche Verlegenheit sie Dan damit gebracht hatte.
Was bin ich doch für ein egoistisches Monster, dachte Nora leicht betrübt. Sie hatte gerade eben nur an sich gedacht – ungeachtet aller Konsequenzen, die sich daraus für Dan ergeben konnten. Nora ärgerte sich über sich selbst.
Doch dann fiel ihr noch etwas anderes auf. Dan hatte dem Ganzen gar nicht so abgeneigt gewirkt, im Gegenteil – es hatte sogar so gewirkt, als wollte er es auch. Nora war dezent verwirrt und würde wohl erst in einem gehörigen Abstand zur Situation das Ganze erfassen.

Schließlich war es seine Stimme, die sie aus ihren Grübeleien riss.
Nora winkte lächelnd ab.
„War ja nur... ein Mistelzweig“, meinte sie, doch ihre Augen sagten etwas Anderes. Etwas ganz Anderes.
Schließlich setzte Nora ihren Spaziergang fort und lief mit Dan weiter durch die nächtliche Winterlandschaft, während sie wieder darüber nachdenken musste, was jener Kuss vorhin wohl bedeuten mochte.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   10.08.11 14:40

Daniel nickte. "So sieht's aus", stimmte er der jungen Frau leise zu. Ein Mistelzweig. Ob sie dies nun auch so wirklich sah, oder es nur einfach so sagte, vermochte er nicht zu sagen. Doch er schob den Kuss einfach in die Schublade und schloss sie ab, den Schlüssel versteckte er, um ihn vielleicht später noch einmal mit Abstand zu der Sache herauszuholen und darüber nachzudenken. Wieso sollte der junge Mann dies auch jetzt tun? Es war Heiligabend, da gehörte so etwas doch gar nicht dazu ... An Chloé dachte er in diesem Moment seltsamerweise gar nicht, aber wieso auch? Immerhin hatte sie ihn an Weihnachten versetzt, da war dies ja auch kein Wunder.

Langsam gingen sie zusammen weiter durch das verschneite Dorf. Ihre Schritte knirschten als sie einen nach den anderen in den Schnee setzten. Nun begann es auch noch ziemlich heftig zu schneien. Normalerweise würde sich jeder Mensch freuen, erstrecht Dan, doch dieser sah nicht einmal auf, sondern ging einfach schweigend weiter. Was hatte er sich auch gedacht? Gar nichts. Wenn er sich etwas gedacht hätte, war ja noch schlimmer, denn dann wäre das ja mit purer Absicht geschehen, aber wie war das sonst passiert? Was hatte er sich gerade noch einmal gesagt? Nicht JETZT darüber nachdenken! Er sollte sich vielleicht besser mal an seine eigenen Regeln halten, dann wäre einiges leichter. Dann wäre zum Beispiel der Kuss mit Nora nicht zustanden gekommen.

Die Stille führte nur dazu, dass sich Daniel noch unwohler fühlte. Er beschloss, dass es Zeit wurde diese zu unterbrechen. "Keine Sorge, wir haben es nicht mehr weit", sagte er leicht lächelnd in ihre Richtung und spielte damit auf das Wetter an. Achja, was die ganze Situation noch makaberer machte: Nach dem Kuss, gingen sie nun zu zweit - alleine - in seine Wohnung. Das wirkte gar nicht seltsam! In der Tat tauchte bald von ihnen eine rote Tür auf, welche zu einem leicht altmodisch wirkendem Haus gehörte. Das Haus war eindeutig vor der Vorletzten Jahrhundertwende gebaut worden. "Wir sind da", erklärte der junge Mann kurz während er in seinem Mantel nach den Schlüsseln suchte. Nach einem kurzen Augenblick hatte er diese auch schon gefunden, steckte ihn in das Schloss, drehte um und hielt ihr die Tür auf. Danach verschwand er selbst in seinem Haus.

Dan hatte es sich vor zwei Jahren gekauft. Er hatte sich um ehrlich zu sein in das Äußere des Hauses verguckt und hatte nicht anders gekonnt als es zu kaufen. Im Innern war es freundlich und hell eingerichtet. Zu dieser Jahreszeit war alles geschmückt, mit Lichterketten, Zweigen und so weiter, im Wohnzimmer stand ein Weihnachtsbaum, welcher mit Kugeln aus weißem oder durchsichtigen Glas geschmückt war - er hatte auf rote Kugeln und ähnliches verzichtet, immerhin wollte er es dann doch nicht zu kitschig haben. "Also willkommen in meinem Zuhause", sagte er lächelnd während er ihre beiden Mäntel auf hing.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   10.08.11 15:13

Die allgegenwärtige Stille wurde lediglich durch das Knirschen ihrer Schritte, die in der weichen Schneedecke versanken und durch ihren Atem, der in weißen Wölkchen in die kalte Nachluft aufstieg, durchbrochen. Doch keiner von den beiden sprach auch nur ein einziges Wort. Nora missfiel jenes drückende Schweigen zutiefst, es erschien ihr geradezu vorwurfsvoll. So, als verdiente sie seine Worte nach ihrer egoistischen, unüberlegten Tat nicht mehr.
Zur Krönung des Ganzen begann es zu schneien. Richtig zu schneien. Viele dicke Flocken prasselten regelrecht auf sie hernieder und bald sah man durch das heftige Schneetreiben kaum noch die Hand vor Augen. Nora mochte Schnee, aber in jenem Moment haftete ihm etwas beinah Grausames an. Es erschien der jungen Frau, als wollte er ihr jeden Blick auf Dan verwehren und sie außerdem von ihrem Weg abbringen, der sich in dem undurchdringlichen Weiß allmählich zu verlieren schien.
Dans Worte zauberten ihr schließlich ein Lächeln auf die Lippen und ermutigten sie tatsächlich ein wenig. Nicht mehr lang und sie würden jene melancholische Winterlandschaft, die ihren Zauber scheinbar für immer verloren hatte, hinter sich lassen.

Als Noras Begleitung schließlich verkündete, dass sie am Ziel waren, blickte die junge Frau auf. Sie schirmte ihre Augen von dem fallenden Schnee mit ihrer Hand ab und entdeckte ein etwas altmodisch wirkendes Haus mit einer roten Tür. Das Haus hatte etwas Nostalgisches an sich, das sich aber eher in Niedlichkeit äußerte und einem das Herz erwärmte.
Ein fasziniertes, verträumtes Lächeln legte sich auf Noras Lippen. Das Haus war wirklich bezaubernd und passte irgendwie zu Dan.

Schließlich traten sie ein. Nora wurde augenblicklich von einer wohligen Wärme empfangen – und einem herrlichen Duft nach Zimt, frischen Tannennadeln und Orangen.
„Es ist wunderschön hier“, hauchte die junge Frau ehrfürchtig und ließ ihren Blick über die helle, freundliche Einrichtung sowie die weihnachtliche Dekoration, die weder zu kalt noch zu kitschig wirkte, des Raumes gleiten.

Plötzlich spürte sie, wie Dan ihr sanft den Mantel abnahm und drehte sich zu ihm.
Als er sie herzlich Willkommen in seinem Reich hieß, lächelte Nora warm und erwiderte leise: „Danke.“
Doch dann blieb sie unschlüssig stehen und blickte ein wenig verloren drein, ohne es verhindern zu können. Wie immer fühlte sie sich auch jetzt in einem Haus, das sie zuvor noch nie betreten hatte, etwas unwohl und fehl am Platz.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   10.08.11 15:43

Daniel lächelte sanft und ging schließlich vor ins Wohnzimmer - wohin auch sonst? "Setz dich doch", bot er freundlich fordernd an und deutete auf ein bequem aussehendes Sofa. Dann erreichte er mit zwei Schritten den Karmin und kniete sich vor diesen. Mit sicheren Händen zündete er etwas Holz im innern von diesem an, bis schließlich ein angenehmes Feuer knisterte. Danach erhob der junge Mann sich und lächelte zu Nora. "Möchtest du etwas trinken oder so?" fragte er freundlich und huschte dann auch schon in die Küche um etwas zu trinken zu holen.

Dort atmete Dan erst einmal tief durch. Etwas abstand zu Nora tat gut, auch wenn er die junge Frau an sich sehr gerne mochte - nun war ihre Anwesenheit eher verwirrend als beruhigend. Langsam goss er in zwei Gläser Glühwein und drapierte auf einem Teller ein paar selbst gebackene Plätzchen. Doch mit seinen Gedanken war er woanders. Der Kuss gerade war irgendwie nicht nur ein Mistelzweig-Kuss gewesen ... Dafür war er zu ... echt gewesen. Chloé. Sein Herz machte einen Sprung - sie hatte er beinahe ganz vergessen! Was würde sie dazu sagen? Waren sie jetzt zusammen, dann wäre das eindeutig nicht in Ordnung! Aber irgendwie waren sie ja nicht zusammen, also durfte Daniel ja eigentlich machen was er wollte ... aber dennoch hatte er ein leicht schlechtes Gewissen. Auch wenn er es durchaus nicht ungern getan hatte.
Mit einem kleinen Seufzer begab er sich dann wieder in Richtung Wohnzimmer.

Der junge Mann stellte die Plätzchen zusammen mit den zwei Gläsern auf dem Tisch ab. "So die Dame", sagte er lächelnd dabei, ohne wirklich einen Sinn dahinter entdecken zu können - eine Floskel eben. Schließlich setzte er sich neben sie und strich sich die dunklen Haare leicht nervös aus dem Gesicht, aber darauf bedacht, dass dies nicht auffiel - wäre ja noch schöner ... Im Hintergrund liefen wie magisch leise Weihnachtslieder und durch die Fenster konnte man das Schneetreiben beobachten. "Das Wetter sieht echt bescheiden aus", kommentierte er kurz - Wetter war wirklich ein tolles Thema, aber hier hatte es wirklich ausnahmsweise mal Sinn: "Hoffentlich wird das noch besser, sonst kommst du nachher nicht mehr nach Hause ... und das an Heiligabend." Das wäre wirklich zu dumm ... ohne sie aus dem Haus haben zu wollen, wollte er aber auch nicht, dass ihr Weihnachtsmorgen verdorben wurde, indem sie bei ihm schlafen musste und ohne Familie. Er wusste, dass sie zumindest einen Bruder hatte, wäre doch total bescheuert, wenn sie dann bei ihm aufwachen müsste, da er sowieso den ersten Weihnachtstag alleine verbringen würde - bei dem Gedanken war er wirklich traurig.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   10.08.11 16:39

Sie nickte ihm dankbar zu und setzte sich schließlich auf das bequeme Sofa, das er ihr angeboten hatte. Kaum hatte sie sich gesetzt, ging Daniel zum Kamin und entzündete ein Feuer darin, sodass der Raum alsbald in ein fantastisches, knisterndes Lichtspiel sowie eine angenehme Wärme getaucht war.
Verloren blieb Noras Blick bei den tanzenden Flammen hängen, während sie erneut von den Gedanken an ihren Kuss vorhin eingeholt wurde.
Das war kein Mistelzweigkuss gewesen. Jedenfalls nicht nur. Dafür war er zu leidenschaftlich, zu fordernd geworden... und hatte dafür vor allem viel zu intensive Glücksgefühle in ihr geweckt.
Doch wenn das ein Kuss, ein richtiger Kuss, gewesen war, den sie beide obendrein auch noch gewollt hatten – was bedeutete das dann? Bedeutete es, dass sie beide mehr für einander empfanden, als sie sich derzeit eingestanden? Doch was war mit Chloé?
Nora wurde ein wenig schwindlig von all den Fragen, die ihren Geist wie Mücken attackierten und umschwirrten und auf die sie doch keine Antwort fand.

So in ihren Gedanken vertieft, überhörte sie fast die Frage, die Dan ihr stellte.
„Das wäre sehr nett“, erwiderte die junge Frau auf seine Frage und bemerkte erst nun, wie sehr der Spaziergang sie durstig gemacht und auch ausgekühlt hatte.
Doch als sie antwortete, war Dan bereits in der Küche verschwunden und überließ sie wieder ihren Grübeleien.

Doch Nora bezweifelte, dass es etwas nützte, sich jetzt darüber den Kopf zu zerbrechen. In seiner Gegenwart konnte sie ohnehin keinen klaren Gedanken fassen. Hinzu kam ja noch, dass die Ereignisse noch viel zu präsent in ihrem Kopf waren und diesen mit nichts als Verwirrung füllten.
Außerdem war der Abend doch viel zu schön, um ihn an derartige Gedanken zu verschwenden.
Schließlich kehrte Dann mit zwei Gläsern und einem Teller zurück, die im Raum den herrlichen Geruch nach würzigem Glühwein und süßen Plätzchen verströmten.
Dan stellte sie mit einem Lächeln und einem Satz auf dem Tisch ab, ehe er sich zu ihr auf das Sofa setzte.
„Herzlichen Dank dem Herrn“, erwiderte Nora und lächelte glücklich. Die Stimmung war perfekt, wenn man es endlich schaffte, sich von den vorigen Gedanken zu befreien. Im Hintergrund spielten in feinen, leisen Tönen Weihnachtslieder, untermalt vom Knistern des Feuers, der Raum war lediglich in das Licht des Kaminfeuers und der Lichterketten getaucht und am Fenster entdeckte man die dicken Schneeflocken, die wie Watte hernieder fielen und sich auf dem Sims in einem weichen Polster sammelten.

So, als hätte Dan ihre Gedanken gelesen, kam er auf das Wetter zu sprechen.
„Ja, es weckt nicht gerade das Bedürfnis, draußen einen längeren Spaziergang zu unternehmen“, stimmte Nora ihm zu und blickte ein wenig besorgt durch das Fenster nach draußen. Das könnte angesichts ihres Heimwegs noch unterhaltsam werden.
„Es ist nicht allzu weit von hier“, meinte sie, als Dan auf ebenjenes zu sprechen kam. Doch sonderlich überzeugt klang sie dabei nicht. Die Vorstellung behagte ihr auch nicht sonderlich, alleine an Heiligabend durch dieses unbeugsame Schneetreiben zu irren... um dann aller Wahrscheinlichkeit nach ein leeres Haus vorzufinden.
Doch fast noch weniger behagte ihr die Vorstellung, bei Dan über Nacht zu bleiben. Sie wollte ihm wirklich nicht mehr Umstände als unbedingt nötig bereiten und war bereits mehr als dankbar dafür, dass er sie für heute Abend in sein Haus eingeladen hatte.
Ohne es verhindern zu können, warf sie bei jenem Gedanken einen kurzen Seitenblick zu ihm und erschrak ein wenig ob seines tristen Gesichtsausdrucks.
„Woran denkst du?“, fragte Nora besorgt und legte behutsam eine Hand auf seinen Arm, um ihm ein wenig Trost zu spenden.
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Daniel Washington

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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   10.08.11 23:23

"Na dann ... müsstest du noch nach Hause kommen, oder?" fragte Daniel besorgt und strich sich durch die dunklen Haare: "Also, wenn du nicht mehr dahin kommst, dann kannst du natürlich auch hier bleiben, also, nicht, dass dir etwas passiert - mit dem Wetter ist nicht zu spaßen." Er lächelte sie an, kam sich aber dennoch dumm vor, er fühlte sich als würde er seiner kleinen Schwester einen sorgenvollen Vortrag halten.
"Ich möchte jetzt ja auch nicht wie dein Vater klingen, aber bevor dir noch etwas passiert - ist zwar nicht das tollste für Heiligabend und Weihnachten hier zu bleiben ..." Ihm würde das bestimmt nichts ausmachen, immerhin kam er mit Nora gut klar und so - bis auf den Kuss war ja auch alles in Ordnung. Der Kuss. Dan schluckte seinen Herzschlag herunter.

Als die junge Frau ihn nun auch noch auf den Arm berührte und fragte was er hatte, sah Daniel zuerst zu dem Arm und dann zu ihr. "Ach an gar nichts", wollte er die Frage umgehen und gleichzeitig sie erst einmal zu beruhigen, denn was sollte er auch sagen? Chloé hat mich versetzt und ich werde Weihnachten alleine verbringen?
"Nur, halt, dass naja ... Chloé", es fühlte sich komisch an von ihr vor Nora zu sprechen: "hat ja für morgen abgesagt. Und da sie mir ja für morgen einen Korb geben hat, hab ich sowieso nichts besseres zu tun, also kommst du mir zumindest für heute Abend sehr gelegen." Zwar sah er noch immer etwas betrübt aus, aber als er sie anlächelte war es dennoch warm. Wieso sollte er auch sauer auf sie sein? Immerhin wollte sie ihn ja nur trösten, beruhigen.

Der junge Mann streckte den anderen Arm nach dem Glühwein aus und trank einen Schluck. Sofort wurde ihm warm, sowohl ums Herz, aber auch an sich - Weihnachtsstimmung drang etwas durch ihn und gleichzeitig wärmte es ihn zusammen mit dem Karmin wieder auf. Ja, es war ihm bei dem Gedanken an Chloé und das Alleinsein wirklich kalt geworden.
Mit etwas Fragendem im Blick sah er zu den Plätzchen. Sollte er oder nicht? Er aß schließlich einen kleingeratenen Zimtstern, selbstgemacht war immerhin selbstgemacht! Danach lächelte Dan zu ihr. Noch immer lag ihre warme Hand auf seinem Arm. Irgendwie störte es ihn nicht, er nahm es kaum war, und wenn zumindest nicht unangenehm.
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BeitragThema: Re: Unter dem Mistelzweig   11.08.11 1:03

„Ich hoffe es“, erwiderte Nora mit einem schwachen Lächeln und warf abermals einen Blick nach draußen, wobei ihr Lächeln erblasste und beinahe gänzlich erstarb. Vielleicht war es ja wirklich keine so gute Idee, bei diesem Wetter nach draußen zu gehen. Vielleicht sogar überhaupt gar keine gute.
„Danke, ich weiß das sehr zu schätzen.“ Dans Angebot klang im Gegensatz dazu geradezu verlockend. Sie würde sich den Weg sowie den Anblick eines leer vorzufindenden Hauses ersparen und stattdessen im Warmen und Trockenen bleiben. Und bei Dan. Nora fühlte, wie sich allein bei diesem Gedanken ihr Herzschlag beschleunigte und dachte gleichzeitig daran, dass sie es vielleicht doch versuchen sollte, sich nach Hause aufzumachen. Sie wollte Dan nicht durch eine weitere egoistische Tat in Verlegenheit bringen.
„Ich werde mal abwarten, vielleicht legt sich das Wetter ja wieder. Wenn nicht... komme ich gerne auf dein Angebot zurück, falls es dann noch steht“, antwortete sie und lächelte ihn nun etwas schüchtern an. In seiner Gegenwart machte sich ihr Selbstbewusstsein wirklich selbstständig... was meist weniger erfreulich war. Und noch weniger hilfreich.

Zunächst wollte Dan mit einem einfachen Nichts umgehen, doch dann schien er einzulenken.
Als Nora die Antwort vernahm, verdrängte ihre Anteilnahme sogar ihre Scham, danach gefragt zu haben. Immerhin ging es sie ja wirklich nichts an.
Doch, wenn sie ihm ein klein wenig helfen konnte...
„Oh“, war alles, was die junge Frau herausbrachte. Dabei lag in dem Wort all jene Gefühle, die sie bei seiner Antwort empfand und die sich kaum in Worte fassen ließen. Anteilnahme, Mitleid, Niedergeschlagenheit... und ein klein wenig Traurigkeit.
„Wenn du mich nicht schon über diese Nacht ertragen musst, beziehungsweise du mich danach noch ertragen kannst, könnte ich es vielleicht einrichten, dass du den morgigen Tag zusammen mit uns verbringen könntest. Wir, also Josh, vielleicht ein paar Freunde von ihm und ich werden morgen vermutlich auswärts essen gehen“, bot sie ihm an. Josh würde sicherlich nichts gegen eine weitere Person einzuwenden haben... ob er auch nichts gegen eine Person weniger einzuwenden hatte? Denn Nora reizte die Idee, den morgigen Tag mit Dan alleine zu verbringen, wesentlich mehr. Natürlich. Doch das würde sie weder je zugeben, geschweige denn äußern. Sie wollte Dan nicht aufdringlich auf die Pelle rücken und ihn einengen. Zum einen kannte sie ihn nur eher schlecht als recht, zum anderen... tat sie so etwas einfach nicht. Oder wollte es zumindest nicht.

Schließlich versanken die beiden abermals in Schweigen und Nora wurde sich allmählich wieder ihrer Hand gewahr, die immer noch auf seinem Arm ruhte... und dadurch angenehm prickelte.
Sanft strich sie ihm damit über den Arm, wobei der Geste eher etwas freundschaftlich Tröstendes anhaftete.
Dan tat ihr wirklich leid. Er hatte es nun einmal nicht verdient, so versetzt zu werden. Vor allem nicht zu solchen Feiertagen, die man zumindest in trauter Zweisamkeit, aber auf keinen Fall alleine verbrachte.

Nach einer Weile griff Nora ebenfalls zum Glühweinglas und nahm einen Schluck davon. Dabei spürte sie, wie die schwelende Wärme ihre trüben Gedanken geradezu davon schwemmte und lediglich ihre einstige Sorglosigkeit zurückließ.
„Eigentlich wäre das jetzt der Zeitpunkt, zu dem man sich Geschenke und Erzählungen austauscht, doch ersteres wird wohl ein klein wenig schwierig werden und letztere... ich war noch nie eine gute Erzählerin“, sprach Nora, um die Stille zu brechen und lachte leise auf.
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